Was tun bei Wildunfällen und wie beugt man diesen vor?

20. September 2017

Nahezu jede zweite Minute am Tag kommt es in Deutschland zu einem sogenannten Wildunfall, bei dem ein Auto mit einem Wildtier kollidiert. Das zeigen die Statistiken des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und des Deutschen Jagdverbandes (DJV). Laut GDV nahm die Zahl der Unfälle mit Rehen, Wildschweinen und anderem Wild im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2014 um mehr als 10 Prozent auf knapp 263.000 zu. Im Durchschnitt zahlten die Versicherer pro Wildunfall 2.485 Euro aus. Der so verursachte Schaden stieg im Vorjahresvergleich um 14 Prozent auf insgesamt über 653 Millionen Euro.

Doch die Schäden durch Wildunfälle sind nur allzu oft nicht nur materieller Art. Ganz abgesehen davon, dass nach Angaben des DJV Jahr für Jahr mehr als eine Million Wildtiere bei Kollisionen mit Kraftfahrzeugen sterben, bedeuten solche Unfälle vielfach auch ein Risiko für die beteiligten Kraftfahrer. Denn schon bei einem Zusammenstoß mit Fahrtempo 60 km/h bekommt etwa ein Wildschwein ein Aufprallgewicht von 3,5 Tonnen. So schwer ist im Vergleich ein Nashorn. Und wenn ein Auto mit Tempo 60 einen Rothirsch anfährt, entspricht dessen Aufprallgewicht dem eines ausgewachsenen Elefanten, nämlich rund 5 Tonnen. An diesen Zahlen wird deutlich, welch eine Gefahr für Autofahrer von Kollisionen mit Wildtieren ausgeht – gar nicht zu reden von Zweiradfahrern, die noch deutlich weniger geschützt sind. Nach den Erhebungen des Statistischen Bundesamts kommen bei Wildunfällen hierzulande jährlich rund 2.500 Menschen zu Schaden – für jeweils 10 bis 20 endet ein solches Ereignis tödlich.

Deshalb raten Verkehrssicherheitsexperten dringend dazu, speziell im Frühjahr und im Herbst, wenn die Tage kürzer werden, sowie in der Morgen- und Abenddämmerung, wenn viele Wildtierarten aktiv sind, besonders vorsichtig zu fahren – vor allem auf Straßen, die durch Waldstücke oder an Feld- und Waldrändern entlangführen. Denn zu dieser Zeit und an solchen Orten kommt es vermehrt zu Wildwechsel. Konkret sollten Kraftfahrer sicherheitshalber immer ihre Geschwindigkeit anpassen, also meist reduzieren.

Was aber tun, wenn Wild unversehens auf der Straße auftaucht? Wer mit Fernlicht unterwegs ist, sollte dieses sofort ausschalten, weil geblendete Tiere in der Regel stehen bleiben oder auf die Lichtquelle zulaufen. Und statt der Lichthupe empfiehlt sich das Betätigen der Hupe, um zu versuchen, die Tiere zu verscheuchen. Auf gar keinen Fall sollten sich Fahrer zu riskanten Ausweichmanövern verleiten lassen. Bei einer unvermeidbaren Kollision sei ein kontrollierter Aufprall besser als unkontrolliertes Ausweichen, betont stellvertretend der ADAC. Insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten können andernfalls ein Ausbrechen des Fahrzeugs sowie ein Zusammenstoß mit einem anderen Verkehrsteilnehmer oder einem Baum drohen.

Ist es zu einem Wildunfall gekommen, sollte der betroffene Kraftfahrer zunächst die Unfallstelle sichern, also das Warnblinklicht einschalten sowie das Warndreieck aufstellen, und die Polizei benachrichtigen. Bei Personenschäden ist den Verletzten entsprechend Hilfe zu leisten. Ein verletztes oder getötetes Tier sollte man dagegen nicht anfassen. Für das Bergen des Tieres ist der jeweilige Förster oder Jagdpächter zuständig. Von ihnen oder der Polizei sollte sich der Kraftfahrer möglichst auch eine Wildunfallbescheinigung zur Vorlage bei seiner Kfz-Versicherung ausstellen lassen. Wer zudem noch Fotos vom Unfallort, vom Tier und vom Fahrzeug macht, kann die Schadenbearbeitung durch seinen Versicherer beschleunigen. Bevor ein beschädigtes Fahrzeug repariert wird, sollte der Versicherer informiert werden.

Für Schäden am eigenen Fahrzeug, die durch Haarwild verursacht werden, kommt die Teilkaskoversicherung auf. Zu dieser Kategorie der Wildtiere zählen nach Paragraf 2 des Bundesjagdgesetzes unter anderem Schwarz- und Rotwild, Hasen und Murmeltiere sowie Füchse. Einige Versicherer haben laut GDV ihren Schutz inzwischen zusätzlich auf Unfälle mit Wirbeltieren ausgeweitet. Mit einer Vollkaskoversicherung wird man selbstverständlich ebenfalls für Wildschäden entschädigt. Auf den Schadenfreiheitsrabatt wirkt sich ein Wildschaden nicht negativ aus. Allerdings zahlt die Teilkasko nicht für Schäden am Auto, die durch das Überfahren eines bereits toten Haarwildes hervorgerufen wurden. Auch wer einem Haarwild ausweicht und dabei sein Fahrzeug beschädigt, etwa weil er im Straßengraben landet, darf kein Geld von der Teilkaskoversicherung erwarten. Nur bei einem Vollkaskoschutz gibt es eine Entschädigung.

 

Quelle: Goslar Institut www.goslar-institut.de

Links:

News

18.10.2017 Vor Versicherungswechsel Beiträge und Leistungen vergleichen!

Am 30. November ist es mal wieder so weit. Bis zu diesem alljährlichen Stichtag müssen Autofahrer, die ihre Kfz-Versicherung wechseln...

11.10.2017 Vorsicht bei Seitenwind - Aber Ruhe bewahren

Im Herbst müssen Autofahrer sich auf eine ganze Reihe von Risiken einstellen. Nässe, Nebel, rutschiges Laub und gegebenenfalls bereits...

04.10.2017 Schluss mit Fachchinesisch

Einige Versicherungen sind ja schon seit einiger Zeit dabei, ihre Versicherungsbedingungen von „Fachchinesisch“ zu entrümpeln und sie so...

27.09.2017 Wertewandel: Auto nicht mehr der Deutschen "liebstes Kind"

Was ist nur mit den Deutschen los? Laut jüngsten Untersuchungen lässt das Interesse der Bundesbürger am Auto nach. Und das bei Menschen...

20.09.2017 Was tun bei Wildunfällen und wie beugt man diesen vor?

Nahezu jede zweite Minute am Tag kommt es in Deutschland zu einem sogenannten Wildunfall, bei dem ein Auto mit einem Wildtier kollidiert...

13.09.2017 Umfrage: Kunden mehrheitlich zufrieden mit KFZ-Versicherern

Sie ist für Autofahrer unumgänglich, weil Pflicht: die Kfz-Versicherung. Doch die meisten Kunden sind mit diesen Versicherungen nicht...

06.09.2017 Versicherer: Fahrassistenten verhindern weniger Unfälle als angenommen - stattdessen treiben sie die Reparaturkosten hoch

In der schönen neuen Verkehrswelt machen Assistenzsysteme und automatisierte Fahrfunktionen von Autos den Straßenverkehr sicherer und...

30.08.2017 Zahlt meine KFZ-Versicherung auch bei grober Fahrlässigkeit?

Nahezu jeder Versicherte hat schon einmal von der Klausel der groben Fahrlässigkeit gehört. Aber was beinhaltet sie im Detail? Immerhin...

23.08.2017 Engagieren statt Gaffen: Erste Hilfe nach Unfällen

Seit der Fahrschule ist bei vielen Autofahrern schon einige bis viel Zeit vergangen, in der die Erinnerungen an die erforderlichen Erste...

16.08.2017 Autoscheiben: Zu viel Tönung gefährdet die Sicherheit

Den einen sind sie ein willkommener Sonnen- und Hitzeschutz, anderen sollen sie als Abschirmung vor ungewünschten Blicken in das...

Seiten

Cura Kontakt

Wir freuen uns über Ihre Fragen und Anregungen

Jetzt Kontakt aufnehmen

Haben Sie Fragen, Probleme, Anregungen oder Wünsche? Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns eine E-Mail.
 

Fritz-Vomfelde-Straße 14
40547 Düsseldorf
+49 (211) 9086-0