Studie: Kälte stresst Autofahrer

17. Januar 2018

Frierende Autolenker fahren schlechter und aggressiver als „wohltemperierte“. So simpel lassen sich die Ergebnisse von Versuchen US-amerikanischer Psychologen zusammenfassen, die wissen wollten, wie sich Kälte auf Autofahrer auswirkt. Die Antwort: Sie erzeugt Stress. Denn das geht aus den Tests der Wissenschaftler klar hervor, dass sich Autofahrer bei ungemütlich niedrigen Temperaturen im Fahrzeuginnern unvorsichtiger und streitsüchtiger verhalten als in einem wohlig temperierten Fahrzeug. Ähnliche Erfahrungen liegen übrigens auch für hitzebedingten Stress im Auto vor. Deshalb empfehlen Experten allen Autofahrern, auf eine angenehme Innentemperatur in ihrem Gefährt zu achten.

In der kalten Jahreszeit ergeht es vielen Kraftfahrern morgens ähnlich: Sie kommen zu einem durchgefrorenen Fahrzeug, oft lassen sich schon seine Türen nur schwer öffnen, die Scheiben sind vereist und müssen erst freigekratzt werden, der Motor springt nur unwillig an, und bis die Heizung Wirkung zeigt, ist einem selbst bitterkalt. Wie die US-Forscher herausfanden, entsteht dabei Kältestress und der äußert sich in einem aggressiveren sowie unvorsichtigeren Fahrstil und Verhalten.

Für ihre Untersuchung zogen die Psychologen den Versuchspersonen eine speziell präparierte Weste an, die die Temperatur auf der Haut der Probanden etwas absenkte, während die Körpertemperatur stabil blieb. Zusätzlich ließ ein Luftzug das Gefühl einer winterlichen Fahrt noch authentischer werden. So ausgerüstet wurden die Testteilnehmer in einem Fahrsimulator auf eine 14 Meilen lange Fahrt über Landstraßen geschickt. Dabei verhielten sich die gekühlten Fahrer zunächst unauffällig, also nicht anders als Vergleichspersonen ohne Kühlweste. Das änderte sich jedoch, als die Testpiloten von einem langsameren Fahrzeug, welches mit zehn Meilen unter dem vorgeschriebenen Tempolimit vor ihnen dahinbummelte, aufgehalten wurden und das sie nicht überholen konnten. In dieser Situation hielten die fröstelnden Autofahrer im Schnitt eine knappe Sekunde weniger Abstand auf den Vordermann als die „wohltemperierten“. Außerdem bremsten die Frierenden am nächsten Stoppschild 2,35 Sekunden später ab als jene ohne Kälteweste.

Die Ursache dieser Verhaltensänderung schreiben die Psychologen nicht einer verminderten Leistungsfähigkeit aufgrund der Kälte zu. Denn nachfolgende Tests in dieser Hinsicht ergaben weder Einbußen bei der Reaktionszeit noch im Hinblick auf die körperliche Geschicklichkeit durch die Kühlweste. Vielmehr löste die temperaturbedingte Unbehaglichkeit Stress aus, hinzu kam Frust über den „schleichenden“ Vordermann. Diese Kombination ließ Aggressionen aufkommen, die sich – wie so häufig am Steuer – in dichtem Auffahren und heftigem Bremsen niederschlugen.

Da es ähnliche Erfahrungen mit hitzebedingtem Stress gibt, der ebenfalls aggressives und riskantes Verhalten im Straßenverkehr hervorruft, wie Studien beweisen, warnen Experten davor, den Einfluss von Temperaturabweichungen vom Wohlfühlbereich beim Autofahren zu unterschätzen. Sie appellieren deshalb sogar an die Mitfahrer, die Wahl der Temperatur im Fahrzeug – und damit auch die Bedienung der Klimaanlage – der Person am Steuer zu überlassen. Damit diese nicht unnötig in Stress gerät.

 

Quelle: Goslar Institut www.goslar-institut.de

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