E-Mobilität: Reichlich Fördermittel, aber kaum Nachfrage danach

21. Februar 2018

Nach den ursprünglichen Plänen der Bundesregierung aus dem Jahr 2008 sollten bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren. Nahezu zehn Jahre später und knapp drei Jahre vor dem Stichtermin ruderte Bundeskanzlerin Angela Merkel jedoch zurück: So wie es derzeit aussehe, werde dieses Ziel wohl nicht erreicht, räumte die Kanzlerin Mitte 2017 ein. Daran konnten auch die staatlichen Prämien und Steuervorteile nichts ändern, mit denen der Kauf von Elektroautos attraktiver werden und angekurbelt werden soll. Doch die zur Verfügung gestellten Mittel werden nur zögerlich nachgefragt, wie das für den sogenannten Umweltbonus zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) berichtet.

Insgesamt 600 Millionen Euro schwer ist der Fördertopf für E-Autos. Seit Einführung des sogenannten Umweltbonus zur Förderung des Absatzes neuer Elektrofahrzeuge im Juli 2016 wurden nach Auskunft der BAFA jedoch erst rund 65 Millionen Euro genutzt. Bislang registrierte das Bundesamt lediglich 46.897 Anträge auf einen Zuschuss beim Kauf eines E-Autos. Damit wurden bisher nur rund zehn Prozent der gesamten zur Verfügung stehenden Fördermittel nachgefragt.

Woran liegt es aber, dass den deutschen Autofahrern E-Mobile noch nicht wirklich schmackhaft gemacht werden können? Immerhin wird der Erwerb eines reinen Elektrowagens mit Batterie mit 4.000 Euro bezuschusst, für Hybridautos gibt es 3.000 Euro dazu. Für diese Kaufprämien für Elektroautos kommen je zur Hälfte der Bund und die jeweiligen Hersteller auf. Die limitierenden Elemente beim Ausbau der E-Mobilität sehen Fachleute jedoch in drei Faktoren: in den im Vergleich mit verbrennungsmotorisierten Fahrzeugen höheren Anschaffungskosten von Elektroautos, in deren begrenztem Aktionsradius und in der immer noch zu dünnen Ladeinfrastruktur mit zu wenigen Ladestationen. Solange sich daran nichts ändert, werde die Liebe der Deutschen zum Elektroauto weiter eher auf Sparflamme bleiben, sind sich die Experten sicher.

Deshalb sprechen sich einige von ihnen inzwischen auch dafür aus, die Fördermittel flexibler einzusetzen: So hielte es etwa BAFA-Präsident Andreas Obersteller für sinnvoll, wenn die neue Bundesregierung einen Teil des Budgets umwidmen und für die Förderung privater Ladeinfrastruktur bereitstellen würde. Dabei denkt der BAFA-Chef auch daran, einen Teil der Fördermittel dafür zu nutzen, um den Bau von privaten Ladesäulen zu subventionieren. Denn eine eigene Ladestation daheim könnte mehr Autofahrer als bislang dazu bewegen, sich mit einem E-Auto anzufreunden, sind sich die Fachleute sicher. Sie halten deshalb die Förderung der öffentlichen Ladeinfrastruktur für ebenso notwendig wie die Bereitstellung von Fördermitteln für private Ladeeinrichtungen, wenn die Wende im Verkehrsbereich hin zu einer umweltverträglicheren und nachhaltigeren Mobilität gelingen soll. Schließlich will die Bundesregierung mit dem Umweltbonus einen „nennenswerten Beitrag zur Reduzierung der Schadstoffbelastung der Luft bei gleichzeitiger Stärkung der Nachfrage nach umweltschonenden Elektrofahrzeugen um mindestens 300.000 Fahrzeuge“ leisten.

Mit den zur Verfügung stehenden 600 Millionen Euro könnte diese Zielgröße nach Ansicht des BAFA-Präsidenten rein theoretisch erreicht werden – wenn es denn mehr Lademöglichkeiten, öffentliche wie private, sowie mehr attraktive E-Autos mit ausreichendem Aktionsradius und zu wettbewerbsfähigen Preisen gäbe. Das angestrebte Ziel von einer Million Elektroautos auf den heimischen Straßen ist nach dem derzeitigen Stand der E-Mobilitätsentwicklung jedoch noch in weiter Ferne. Deshalb sollten die Fördermittel des Bundes vielleicht intelligenter eingesetzt werden als bisher, geben Beobachter zu bedenken.

 

Quelle: Goslar Institut www.goslar-institut.de

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