Sichere neue Verkehrsmittel? - Ein Drittel der Deutschen für Blackbox im Auto

7. Februar 2018

Moderne Autos zeichnen viele Daten auf, zur Fahrweise, zu den Fahrgewohnheiten, zu den Fahrstrecken und solche technischer Art. Wie umstritten die Verwendung dieser Informationen ist, hat die jüngste Diskurs-Veranstaltung des „Goslar Instituts für verbrauchergerechtes Versichern“ zum Thema „Hase und Igel: Wie man vom PKW oder der Police zum Mobilitätsservice kommt“ exemplarisch deutlich gemacht (vgl. www.goslar-institut.de). Dabei stellten die Experten auch fest, dass viele Autofahrer vermutlich keine Einwände gegen die Nutzung ihrer Fahrzeugdaten haben dürften, wenn sie dafür eine – sinnvolle – Gegenleistung bekommen. Dass ein solches Äquivalent aus Sicht der deutschen Autofahrer auch in einer leichteren und gerechteren Klärung der Schuld bei Unfällen sowie einer besseren Unfallforschung bestehen kann, machte jetzt eine aktuelle Erhebung des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) deutlich: Darin sprachen sich 34 Prozent der Befragten für einen verpflichtenden Einbau von sogenannten Unfalldatenspeichern (UDS) in Autos aus.

In der repräsentativen Befragung von 2.000 Autofahrern im Auftrag des DVR durch das Marktforschungsinstitut Ipsos lehnte weniger als die Hälfte (42 Prozent) der Teilnehmer eine vorgeschriebene Blackbox im Auto grundsätzlich ab. Jeder zehnte Befragte hat demnach keine Meinung zu diesem Thema. Ein UDS registriert permanent fahrdynamische sowie fahrtechnische Daten. Solche Geräte sind daher vergleichbar mit der Blackbox in Flugzeugen, die nach einem Unfall Aufschluss über dessen Ursachen und Hergang gibt. Wie im Flugbetrieb zeichnet auch ein UDS im Auto entsprechende Mobilitätsdaten auf und wie im Flieger werden diese Informationen wenige Sekunden später wieder gelöscht – außer unmittelbar nach einem Unfall. Dann können die Daten zur Aufklärung des Geschehens herangezogen werden – im Flieger wie im Auto.

Die Befürworter von Unfalldatenspeichern in Autos sehen den Hauptvorteil der UDS in deren Beitrag zu einer besseren Analyse von Unfällen (85 Prozent). Außerdem werde so die Klärung der Schuldfrage erleichtert, meinen 81 Prozent der in der Studie Befragten. Erkenntnisse für die Unfallforschung versprechen sich 66 Prozent von einer solchen Blackbox und 61 Prozent einen positiven Einfluss auf das Verhalten der Verkehrsteilnehmer. Die Gegner wiederum befürchten in erster Linie Verletzungen des Datenschutzes (69 Prozent) sowie technische Manipulationsmöglichkeiten (39 Prozent).

Ähnlich wie das automatische Notrufsystem eCall, das ab April dieses Jahres EU-weit in allen neuen Pkw-Modellen vorgeschrieben ist, könnte auch das UDS in Zukunft zur Pflicht werden, meinen Beobachter. Denn in Brüssel sollen bereits entsprechende Pläne kursieren. So berichtet etwa die „Saarbrücker Zeitung“, dass der Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments (EP) die EU-Kommission schon vor geraumer Zeit aufgefordert habe, Vorschläge für eine schrittweise Einführung der Blackbox zunächst in Leihfahrzeugen sowie später auch in gewerblich genutzten und in privaten Fahrzeugen vorzulegen. Und eine von der EU-Kommission vor zwei Jahren in Auftrag gegebene Studie soll außerdem ergeben haben, dass sich mit UDS die Unfallzahlen um zehn Prozent senken ließen.

Auch der DVR spricht sich für einen freiwilligen Einbau von UDS im Interesse einer verbesserten Unfallforschung und Unfallaufklärung aus. Er fordert dazu einen wissenschaftlich begleiteten Feldversuch, um die langfristige Wirkung dieser Geräte zu testen. Außerdem müssten die Belange des Datenschutzes sowie Manipulationssicherheit gewährleistet sein, verlangt der Verkehrssicherheitsrat als Voraussetzung für eine verpflichtende Einführung der Blackbox im Auto.

 

Quelle: Goslar Institut www.goslar-institut.de

Links:

News

14.02.2018 Staubilanz 2017: Die "Blechlawinen" wachsen weiter

Viele Autofahrer haben subjektiv den Eindruck, dass sie auf Deutschlands Straßen immer öfter und immer länger im Stau stehen. Laut einer...

07.02.2018 Sichere neue Verkehrsmittel? - Ein Drittel der Deutschen für Blackbox im Auto

Moderne Autos zeichnen viele Daten auf, zur Fahrweise, zu den Fahrgewohnheiten, zu den Fahrstrecken und solche technischer Art. Wie...

31.01.2018 Neue genauere Verbrauchsmessung bei Autos lassen KFZ-Steuer steigen

Lange waren die Herstellerangaben zum Spritverbrauch und Schadstoffausstoß ihrer Fahrzeuge als zu ungenau in der Diskussion. Nun gilt...

17.01.2018 Studie: Kälte stresst Autofahrer

Frierende Autolenker fahren schlechter und aggressiver als „wohltemperierte“. So simpel lassen sich die Ergebnisse von Versuchen US-...

10.01.2018 Freie Fahrt mit freier Sicht - Was hilft gegen beschlagene Scheiben?

In der kalten Jahreszeit haben Autofahrer häufig Probleme mit beschlagenen Scheiben. Sie stören nicht nur beim Fahren, sondern stellen...

03.01.2018 Silvesterfeuerwerk kann Autos schaden - Im Zweifel hilft eine Kaskoversicherung

So möchte kaum jemand ins neue Jahr starten: Nach einer fröhlichen Silvesterfeier muss man am folgenden Vormittag feststellen, dass das...

20.12.2017 Hohe Preise für originale Autoersatzteile verteuern Reparaturen unnötig

Es muss nicht immer ein Unfall sein, der Autofahrer dazu zwingt, Ersatzteile für ihr Auto zu kaufen. Oft machen auch Verschleiß bzw....

13.12.2017 Versicherer zahlen immer mehr für Schäden durch Autodiebe

Jeden Tag wechseln in Deutschland 340 Autos unfreiwillig den Besitzer. Das geht aus der aktuellen Schadenstatistik des Gesamtverbands...

06.12.2017 Keine Sorge bei Fahrgemeinschaften: Auch die Mitfahrer sind versichert

Gerade ist die 23. Weltklimakonferenz in Bonn zu Ende gegangen. Zu den immer wieder vorgetragenen Klimaschutzstrategien, um die...

29.11.2017 Wer auffährt, hat immer Schuld - oder doch nicht?

Wer auf das vor ihm fahrende Fahrzeug auffährt, ist schuld. So lautet eine scheinbar unumstößliche Regel im Straßenverkehr – zumindest...

Seiten

Cura Kontakt

Wir freuen uns über Ihre Fragen und Anregungen

Jetzt Kontakt aufnehmen

Haben Sie Fragen, Probleme, Anregungen oder Wünsche? Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns eine E-Mail.
 

Fritz-Vomfelde-Straße 14
40547 Düsseldorf
+49 (211) 9086-0