Am 1. April wird der automatische Lebensretter zur Pflicht

28. März 2018

Das selbstfahrende Auto ist noch zu einem Teil Zukunftsmusik. Das Auto, das bei Unfällen selbst Hilfe herbeiruft, dagegen nicht. Ab April 2018 wird das Notrufsystem eCall in allen neuen Fahrzeugmodellen in der EU zur Pflicht. Die EU-Kommission hofft, dass mit dem automatischen Notruf die Zahl der Verkehrstoten in der Gemeinschaft um zehn Prozent pro Jahr sinken könnte.

Das bordeigene Notrufsystem an sich wird nahezu durchgängig positiv beurteilt. Es erkennt mithilfe von Sensoren eine Unfallsituation und löst daraufhin sofort selbsttätig einen Notruf aus. Dieses Signal wird per Satellitenkommunikation an die Notrufzentrale übermittelt, die anschließend alle erforderlichen Hilfsmaßnahmen einleitet. Das Notrufsignal kann auch manuell aktiviert werden.

Mit dem „Auto“-matischen „Hilferuf“ wird auch immer gleich der Standort des betreffenden Fahrzeugs und sogar seine Fahrtrichtung an die Zentrale übermittelt. Dabei kommt moderne Ortungs- und Telekommunikationstechnik zum Einsatz, die im Fahrzeug eingebaut ist. Das Notrufsystem baut auch eine Sprechverbindung zur zuständigen Rettungsleitstelle auf. Darüber können sich die Fahrzeuginsassen ggf. mit der Notrufzentrale über Details des Unfalls verständigen.

Durch eCall soll die Rettungsleitstelle in die Lage versetzt werden, den Zeitraum zwischen dem Unfall und dem Eintreffen der Rettungskräfte auf ein Minimum zu reduzieren. Das ist insofern von Bedeutung, als die Folgen von Unfallverletzungen umso mehr abgemildert werden können, je früher die Versorgung am Unfallort beginnt. Deshalb soll eCall dazu beitragen, Verletzte am Unfallort schneller versorgen zu können. Bei schweren Unfällen könnte das automatische Notrufsystem sogar Leben retten helfen. Insbesondere mit dem Ziel, die Zahl der Unfalltoten in Europa zu reduzieren, votierte das Europäische Parlament 2015 für die Einführung von eCall.

Ab dem 1. April dieses Jahres hat das Notrufsystem nun europaweit zur Grundausstattung aller neuen Pkw-Modelle und leichten Nutzfahrzeuge (M1, N1) zu gehören. Die Dienstleistung eCall ist für die Bürger in allen EU-Mitgliedsstaaten kostenlos. Angesichts der möglicherweise lebensrettenden Vorteile des Systems werfen viele Experten die Frage auf, warum so etwas nicht auch für Motorräder eingeführt wird bzw. wurde. Denn für Biker können auch leichte Unfälle, die bei Autos lediglich Blechschäden zur Folge haben, mit Verletzungen des Fahrers einhergehen.

Weitere Kritik an dem Notrufsystem betrifft den Datenschutz: Zwar sollen von eCall nur jene Informationen an die Notrufzentrale gesendet werden, die für eine schnelle Unfallversorgung benötigt werden. Für andere Zwecke dürfen diese Daten nicht verwendet werden, so will es die entsprechende EU-Richtlinie. Diese schreibt ebenfalls vor, dass die vom Fahrzeug erhobenen Positionsdaten immer wieder überschrieben werden müssen. So will man dem Speichern dieser Daten vorbeugen. Bei einem Notruf sollen tatsächlich nur jene Informationen vorhanden sein und übermittelt werden, die Auskunft über den Standort des Fahrzeugs geben. Datenschützer monieren jedoch, dass die EU-Richtlinie das Angebot sogenannter Mehrwegdienste rund um eCall ermögliche. Und dadurch, so fürchten sie, könnten wirtschaftliche Begehrlichkeiten geweckt und die informelle Datenhoheit der Autofahrer massiv gefährdet werden.

 

Quelle: Goslar Institut www.goslar-institut.de

Links:

News

17.10.2018 Neue Winterreifenvorschriften - Was muss ich beachten?

Auch wenn tagsüber goldene Herbstsonne mitunter noch für wohlige Wärme sorgt, bleibt der Oktober doch der Monat, in dem Autobesitzer ihr...

10.10.2018 TÜV: Busse sind sehr sichere Verkehrsmittel

Busfahren wird sicherer. Denn die technischen Mängel an Reise- und Linienbussen sind in den vergangenen Jahren deutlich weniger geworden...

03.10.2018 Merkel: Ausbau der Elektromobilität in Deutschland "auf dem richtigen Pfad"

Das Vorhaben der Bundesregierung, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektro-Autos auf Deutschlands Straßen zu bringen, ist nach...

26.09.2018 Sekundenschlaf - Das vielfach unterschätzte Risiko

: „Sekundenschlaf“ ist eigentlich ein viel zu freundliches Wort, wenn man bedenkt, was Müdigkeit am Steuer für Folgen haben kann – für...

19.09.2018 Aufgepasst beim Autotuning - nicht alles, was gefällt, ist auch erlaubt!

Viele Autobesitzer wollen mit ihrem Fahrzeug möglichst viel Aufmerksamkeit erregen. Andere mögen ihr Auto am liebsten, wenn es nahezu...

12.09.2018 Wenn es bei der Probefahrt kracht, hilft eine Haftungsvereinbarung

Ob neu oder gebraucht – zum Kauf eines Fahrzeugs gehört immer auch eine ausgiebige Probefahrt. Denn erst währenddessen kann man sich ein...

05.09.2018 Willkommen in der Schublade: Das Image von Automarken

„Zeig mir dein Auto und ich sag dir, wer du bist.“ Das klingt wie ein typisches Beispiel für Denken in Vorurteilen und Schubladen. Doch...

29.08.2018 In fünf Stufen zum automatisierten Fahren

Bevor die Roboter die Herrschaft über die Welt übernehmen, wie uns zahlreiche Zukunftsvisionen sowohl literarischer als insbesondere...

22.08.2018 Verkehrslärm empfinden die Deutschen als größte Geräuschbelastung

Straßenverkehrslärm stört oder belästigt mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland. Das belegt eine repräsentative Umfrage des...

15.08.2018 Wenn Angst mitfährt

Die „Angst des Tormanns beim Elfmeter“ ist dank der literarischen Aufbereitung durch Peter Handke inzwischen sprichwörtlich. Weniger...

Seiten

Cura Kontakt

Wir freuen uns über Ihre Fragen und Anregungen

Jetzt Kontakt aufnehmen

Haben Sie Fragen, Probleme, Anregungen oder Wünsche? Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns eine E-Mail.
 

Fritz-Vomfelde-Straße 14
40547 Düsseldorf
+49 (211) 9086-0