Pedelecs: Geschwind und gefährlich

18. April 2018

Fahrräder mit Elektromotor erfreuen sich in Deutschland wachsender Beliebtheit. Immer mehr Deutsche entdecken die Freude am Radeln mit elektrischer Unterstützung, etwa wenn es bergauf geht. So können sich auch Untrainierte eine Radtour vornehmen, ohne Angst haben zu müssen, dass ihnen unterwegs die Puste ausgeht. Doch mit den steigenden Verkaufszahlen nehmen leider auch die Unfälle mit den sogenannten E-Bikes und Pedelecs zu. Insbesondere ältere Menschen, derzeit noch die überwiegenden Nutzer solcher elektromotorisierten Räder, sollen mit deren Beschleunigung bzw. Geschwindigkeit oft nicht zurechtkommen, warnen Sicherheitsexperten.

Doch hier gilt es zu differenzieren, denn hinter der Bezeichnung Elektrofahrrad – umgangssprachlich meist als E-Bike bezeichnet – verbergen sich unterschiedliche Typen der zweirädrigen E-Mobilität. Am meisten verbreitet sind die sogenannten Pedelecs (Pedal Electric Cycle), die auf einen Verkaufsanteil von rund 95 Prozent unter allen elektrischen Fahrrädern kommen. Beim Pedelec unterstützt ein Elektromotor den Radler bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h. Diese Hilfe ist vor allem an Steigungen sehr willkommen. Für Pedelecs schreibt der Gesetzgeber weder ein Versicherungskennzeichen noch einen Helm für den Fahrer vor. Der darf auch einen Radweg benutzen, weil die Pedelecs von Rechts wegen zu den Fahrrädern zählen.

Wer schneller vorankommen möchte, greift zum sogenannten S-Pedelec, das Elektrounterstützung bis 45 km/h verspricht. Diese Zweiräder fallen in die Kategorie der Kleinkrafträder. Deshalb sind für ihre Benutzung ein Führerschein der Klasse AM, ein Helm und ein Versicherungskennzeichen vorgeschrieben. Das Mindestalter für S-Pedelecs beträgt 16 Jahre. Ebenfalls zu den Kleinkrafträdern zählen die E-Bikes, die ohne Treten auskommen und bis zu 20 km/h schnell sein dürfen. Für sie sind ebenfalls ein Versicherungskennzeichen und ein Führerschein der Klasse AM erforderlich.

Nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) sind hierzulande inzwischen rund 3,5 Millionen Pedelecs unterwegs. Allein im vergangenen Jahr sollen knapp 700.000 neu hinzugekommen sein, berichtet der ADFC. Das entspricht einem Zuwachs von rund 25 Prozent. Mit dem Boom des elektrounterstützten Fahrradfahrens nahmen allerdings auch die Unfälle speziell mit Pedelecs zu. Laut den Erhebungen des Statistischen Bundesamtes passierten in den ersten drei Quartalen von 2017 knapp 4.300 Unfälle mit Personenschäden, bei denen Pedelecs beteiligt waren. Auch hier registrierten die Statistiker ein Plus von 28 Prozent gemessen am entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Zahl der toten Pedelec-Fahrer erhöhte sich demnach bis September 2017 auf 55 Personen.

Laut Untersuchungen der Unfallforschung der Versicherer (UDV) fällt auf, dass immer mehr ältere Verkehrsteilnehmer in Pedelec-Unfälle verwickelt sind. Ihr Anteil sei überdurchschnittlich hoch, heißt es bei der UDV. Begründung der Unfallforscher: Viele Ältere fahren mithilfe des Elektromotors viel schneller, als es ihren Fähigkeiten entspricht. Dabei verlieren sie leicht die Kontrolle über ihr Gefährt. Diese Gefahr könnte nach Ansicht der UDV entschärft werden, wenn die Pedelecs in ihren Eigenschaften dem Fahrrad stärker angeglichen würden: Demnach sollte jemand, der auf dem Fahrrad mit eigener Muskelkraft kaum über Schrittgeschwindigkeit hinauskommt, mit dem Pedelec nicht 25 km/h schnell unterwegs sein dürfen. Wer jedoch aus eigener Kraft schneller fahren kann, soll auch mehr elektrische Unterstützung bekommen. Die Begrenzung der Geschwindigkeit von Pedelecs dürfe jedoch nicht die Bewältigung von Anstiegen auch mit geringer Muskelkraft beeinträchtigen, meinen die Unfallforscher.

 

Quelle: Goslar Institut www.goslar-institut.de

Links:

News

18.04.2018 Pedelecs: Geschwind und gefährlich

Fahrräder mit Elektromotor erfreuen sich in Deutschland wachsender Beliebtheit. Immer mehr Deutsche entdecken die Freude am Radeln mit...

04.04.2018 Je automatisierter desto skeptischer - Studie offenbart Ängste von Autofahrern vor autonomen Fahrzeugen

Die Automatisierung des Fahrens wird insgesamt zur Verbesserung der Verkehrssicherheit beitragen. Davon gehen die meisten Autofahrer aus...

28.03.2018 Am 1. April wird der automatische Lebensretter zur Pflicht

Das selbstfahrende Auto ist noch zu einem Teil Zukunftsmusik. Das Auto, das bei Unfällen selbst Hilfe herbeiruft, dagegen nicht. Ab...

21.03.2018 Cannabis als Medizin: Freie Fahrt für "bekiffte" Autofahrer?

Der Konsum von Cannabis zu medizinischen Zwecken ist seit rund einem Jahr erlaubt. Schwer kranke Patienten dürfen nach dem neuen Recht...

14.03.2018 Neues "Massenphänomen": Inkasso-Abzockeversuche aus dem Ausland

Deutschen Autofahrern flattern nach Auslandsaufenthalten immer häufiger überzogene Geldforderungen von privaten Inkassobüros und...

21.02.2018 E-Mobilität: Reichlich Fördermittel, aber kaum Nachfrage danach

Nach den ursprünglichen Plänen der Bundesregierung aus dem Jahr 2008 sollten bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen...

14.02.2018 Staubilanz 2017: Die "Blechlawinen" wachsen weiter

Viele Autofahrer haben subjektiv den Eindruck, dass sie auf Deutschlands Straßen immer öfter und immer länger im Stau stehen. Laut einer...

07.02.2018 Sichere neue Verkehrsmittel? - Ein Drittel der Deutschen für Blackbox im Auto

Moderne Autos zeichnen viele Daten auf, zur Fahrweise, zu den Fahrgewohnheiten, zu den Fahrstrecken und solche technischer Art. Wie...

31.01.2018 Neue genauere Verbrauchsmessung bei Autos lassen KFZ-Steuer steigen

Lange waren die Herstellerangaben zum Spritverbrauch und Schadstoffausstoß ihrer Fahrzeuge als zu ungenau in der Diskussion. Nun gilt...

17.01.2018 Studie: Kälte stresst Autofahrer

Frierende Autolenker fahren schlechter und aggressiver als „wohltemperierte“. So simpel lassen sich die Ergebnisse von Versuchen US-...

Seiten

Cura Kontakt

Wir freuen uns über Ihre Fragen und Anregungen

Jetzt Kontakt aufnehmen

Haben Sie Fragen, Probleme, Anregungen oder Wünsche? Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns eine E-Mail.
 

Fritz-Vomfelde-Straße 14
40547 Düsseldorf
+49 (211) 9086-0