Quad, der gefährliche "Spass auf vier Rädern" - No risk no fun

1. August 2018

Diesem Motto folgend sollen allein in Deutschland inzwischen mehr als 160.000 sogenannte Quads unterwegs sein. Während die Hersteller und Anbieter dieser offenen vierrädrigen Fahrzeuge, die meist nur aus Fahrwerk, Motor sowie einem Sitz und einer Lenkstange für den Fahrer bestehen, über eine neue Fun-Sportart jubeln und ihre Produkte als „Fahrspaßmaschinen“ anpreisen, warnen Verkehrsexperten vor den damit verbundenen Gefahren. Denn laut einer Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) soll das Unfallrisiko pro gefahrenem Kilometer beim Quad doppelt so hoch sein wie beim Pkw. Das Risiko bei einem Unfall schwer verletzt oder getötet zu werden, sei mit einem Quad rund 10-mal höher als mit dem Pkw, heißt es in der Untersuchung.

Dabei fällt auf, dass Quad-Fahrer offenbar rund 85 Prozent der Unfälle, in die sie verwickelt sind, selbst verursachen, wie die UDV feststellte. Dazu tragen demnach insbesondere bauartbedingte Besonderheiten von Quads bei, wie etwa das fehlende Differenzial und das sogenannte Daumengas. Der Hebel zum Gasgeben mit dem Daumen soll eigentlich der Sicherheit dienen, indem er verhindert, dass der Quadfahrer beim Drehen des Lenkers unabsichtlich Gas gibt. Doch die Unfallforscher sehen im Daumengas eher einen Sicherheitsmangel und eine Unfallursache.

Gleiches gilt demnach für das Differenzial. Ein solches Ausgleichsgetriebe ermöglicht bei Kurvenfahrten, dass sich das kurveninnere und das äußere Rad einer Achse mit unterschiedlicher Geschwindigkeit drehen können. Damit erhöht sich die Sicherheit von Vierrad-Fahrzeugen bei Kehren. Gerade Kurvenfahrten stellen denn auch ein großes Problem im Unfallgeschehen von Quads dar, wie die Forscher der UDV herausfanden: Zwei Drittel der Fahrunfälle von Quads passieren demnach durch „Abkommen von der Fahrbahn nach rechts/links“. Dabei sollen Alleinunfälle besonders häufig vorkommen. Laut UDV sieht der typische Unfallablauf in solchen Situationen wie folgt aus: Der Quad-Fahrer verliert – besonders häufig in der Kurve – die Kontrolle über sein Fahrzeug und kollidiert mit dem Gegenverkehr oder einem Hindernis neben der Fahrbahn.

Gerade das Lenken von Quads wird von deren Piloten offenbar vielfach unterschätzt. Während man beim Motorradfahren das Einspur-Fahrzeug schon fast allein durch das „in die Kurve legen“ auf den richtigen Kurs bringt, muss beim Quad noch zusätzlich der Lenker mit Feingefühl betätigt werden. Ansonsten droht der „Abflug“. Und der endet eben nur allzu oft im Gegenverkehr oder an einem festen Hindernis am Straßenrand. Deshalb warnen Sicherheitsexperten immer wieder davor, sich ungeübt auf ein Quad zu setzen und einfach loszubrausen – wie es inzwischen vielfach in Urlaubsregionen angeboten wird.

Ursprünglich sind Quads oder Quadricycles, wie sie im Englischen eigentlich heißen, für den Betrieb im Gelände gedacht. Deshalb heißen sie mit anderem Namen auch All Terrain Vehicle (ATV), zu Deutsch Geländefahrzeug. Sie wurden für den militärischen Einsatz entwickelt, zum Transport von Menschen und Material durch unwegsames Gelände. Die ursprünglichen Quads verfügten nicht einmal über eine Federung.

Inzwischen sind sie jedoch zu einem Freizeit- bzw. Sportgerät für jedermann mutiert, mit der Folge steigender Verkaufs- und eben leider auch Unfallzahlen. Vor allem wegen der Fahreigenschaften und der Bedienung von Quads, gepaart mit Übermut, verunglückten viele junge Fahrer schwer, stellt die UDV in ihrer Studie fest – die zwar schon von 2013 stammt, nach Einschätzung von Verkehrssicherheitsexperten aber nichts von der Aktualität ihrer Aussagen eingebüßt hat. Insbesondere das eher „störrische“ Fahrverhalten von Quads – sowohl im Vergleich mit Autos wie auch mit Motorrädern – bereitet demnach vielen Quad-Fahrern Probleme, überfordert sie schnell und führt so zu schweren Unfällen. Deshalb sollte sowohl bei der Fahrzeugtechnik als auch bei der Fahrausbildung schnellstmöglich gegengesteuert werden, fordert UDV-Leiter Siegfried Brockmann. Für notwendig hält er insbesondere ein serienmäßiges Differenzial sowie verpflichtende Einweisungsfahrten.

 

Quelle: Goslar Institut www.goslar-institut.de

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