Wenn Angst mitfährt

15. August 2018

Die „Angst des Tormanns beim Elfmeter“ ist dank der literarischen Aufbereitung durch Peter Handke inzwischen sprichwörtlich. Weniger bekannt ist dagegen, dass viele Menschen Angst vor dem Autofahren haben oder hinterm Steuer Panikattacken erleiden. Davon können Anfänger ebenso betroffen sein wie erfahrene Autofahrer. Doch solche Ängste sind gut therapierbar, beruhigen Experten. Diese Möglichkeiten sollten Betroffene allerdings gegebenenfalls auch wahrnehmen, denn ein Fahrer, der durch heftige Ängste oder Panikattacken vom Verkehrsgeschehen abgelenkt ist, kann ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen.

Häufig sind es Staus, dichter Verkehr auf der Straße, Fahrten auf der Autobahn, über Brücken und durch Tunnels sowie Touren bei Nacht oder schlechtem Wetter, die Angst auslösen. Diese kann sich bis zu Symptomen wie zunehmendem Herzklopfen, Atembeschwerden, Schwindel und anderen massiven körperlichen Beeinträchtigungen steigern. Die Beschwerden können so weit gehen, dass die Betroffenen in solchen Fällen gar befürchten, in Ohnmacht zu fallen oder einen Herzinfarkt zu erleiden. Vielfach erschreckt sie auch die Vorstellung, die Kontrolle über sich bzw. die Situation zu verlieren.

Vielfach ist es ein insgesamt hoher Stresslevel, der einen derartigen Angstanfall auslöst. Psychologen vergleichen solche Umstände auch mit einem Glas, das bis zum Rand voller Flüssigkeit ist. Es kann durch einen kleinen Tropfen zum Überlaufen gebracht werden: Das randvolle Glas ist der gestresste Mensch, den eine ansonsten wahrscheinlich lediglich als unangenehm empfundene Situation „aus der Fassung bringt“. Im schlechtesten Fall kommt die Erinnerung an ein solches Angsterlebnis zurück, wenn der Betroffene wieder in eine vergleichbare Situation kommt. Dann kann allein die Angst vor dem vorangegangenen Angsterlebnis eine neuerliche Panikattacke auslösen. Besonders anfällig in dieser Hinsicht sind, wie Psychologen wissen, Menschen, die ohnehin ihren Körper und seine Lebensfunktionen ständig beobachten, „in sich hineinhorchen“.

Ursache von Angst beim Autofahren kann aber auch die Befürchtung sein, sich vor anderen Verkehrsteilnehmern zu blamieren, weil man etwa Probleme beim Einparken o. ä. hat. Bei Menschen, die schon einmal von einem schweren Verkehrsunfall betroffen waren, ist es nicht verwunderlich, wenn sie danach nicht mehr angstfrei Auto fahren können. Das nennen die Fachleute dann eine posttraumatische Belastungsstörung.

Da Autofahrer, die unter Panikattacken leiden, eine Gefahr für sich und andere Verkehrsteilnehmer darstellen können, raten Experten diesen Menschen, den psychischen Ursachen der Angststörung mit Hilfe von Fachleuten besser früher als später auf den Grund zu gehen. Denn solche Ängste tendieren dazu, sich „breitzumachen“: Erst ist es „nur“ unangenehm, die Autobahn zu benutzen. Mit der Zeit machen dann auch Landstraßen sowie der Verkehr in der Stadt Angst. Und im „Worst Case“ vermeidet man irgendwann grundsätzlich Orte und Situationen mit zahlreichen Menschen – aus Angst, die Panik könnte wieder zuschlagen.

Statistiken zufolge sollen rund 15 Prozent der Bundesbürger im Lauf ihres Jahres einmal von einer Angststörung heimgesucht werden. Der ADAC wiederum schätzt die Zahl der Menschen, die sich vor der Fahrt durch Tunnel oder über Brücken fürchten oder Beklemmungen bekommen, wenn sie Lastwagen überholen oder Baustellen durchfahren müssen, auf rund eine Million. Solche Ängste sind also keine Seltenheit. Wer rechtzeitig dagegen angeht, erspart sich möglicherweise einschneidende Einbußen an Lebensqualität und verhindert, sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr zu bringen.

 

Quelle: Goslar Institut www.goslar-institut.de

Links:

News

09.10.2019 Aral-Studie "Trends beim Autokauf 2019" zeigt veränderte Käuferinteressen

Jeder dritte Bundesbürger will sich in den kommenden eineinhalb Jahren ein neues Auto zulegen. Dabei ist die Bedeutung von neu...

02.10.2019 Studie: Carsharing bringt nachhaltigen Verkehr nicht voran

Carsharing, also die gemeinschaftliche Nutzung eines Autos durch mehrere Personen, bringt nicht die Vorteile, die sich seine Befürworter...

25.09.2019 Bundesdatenschutzbeauftragter Kelber: Grundrechte auch in digitaler Welt durchsetzen

Bremst Datenschutz Fortschritt in den Bereichen der Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz? Haben Deutschland und Europa zwar im...

18.09.2019 Big Data kann Mobilität sicherer, schneller und sogar ökologischer machen

Die Chancen von Big Data in einer digital vernetzten Gesellschaft sind derzeit Thema vielfältiger öffentlicher Diskussionen. Über die...

11.09.2019 Big Data im Versicherungswesen machen Medizin humaner und präziser

Big Data in der Medizin ist im Moment noch Bürgerschreck, muss aber unbedingt als Hoffnungsträger verstanden werden. Denn...

04.09.2019 Gut versichert Radfahren

Fahrradfahren ist angesagt – sei es aus Umweltschutzmotiven, aus gesundheitlichen Gründen oder weil es einfach nur Spaß macht. Das...

28.08.2019 Studie: Deutsche offener für digitale Finanz- und Versicherungsangebote

Die in Bezug auf ihr privates Finanz- und Versicherungsverhalten gemeinhin als konservativ geltenden Deutschen scheinen inzwischen...

21.08.2019 Fahrräder sicher mit dem Auto transportieren

Viele Deutsche nehmen ihr Fahrrad nicht nur gerne mit in den Urlaub, sondern wollen auch beim Wochenendausflug nicht auf ihren „...

14.08.2019 Zu breit für die linke Spur?

Schneller, tiefer, breiter. Unter diesem Motto „veredeln“ viele Tuning-Fans ihre Fahrzeuge und meinen, diesen dadurch mehr „...

07.08.2019 Vorsicht Falle: Auf unterschiedliche Verkehrsregeln im Ausland achten!

Andere Länder, andere Sitten! Diese „Binsenweisheit“ Reisender hat auch heute noch ihre Berechtigung, obwohl man es zumindest in der EU...

Seiten

Cura Kontakt

Wir freuen uns über Ihre Fragen und Anregungen

Jetzt Kontakt aufnehmen

Haben Sie Fragen, Probleme, Anregungen oder Wünsche? Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns eine E-Mail.
 

Fritz-Vomfelde-Straße 14
40547 Düsseldorf
+49 (211) 9086-0