Sekundenschlaf - Das vielfach unterschätzte Risiko

26. September 2018

: „Sekundenschlaf“ ist eigentlich ein viel zu freundliches Wort, wenn man bedenkt, was Müdigkeit am Steuer für Folgen haben kann – für den Fahrer selbst und für andere. Um es zu verdeutlichen: Bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h bedeuten drei Sekunden Unachtsamkeit durch Einnicken, dass man rund 80 Meter „im Blindflug“, also ohne Kontrolle über das Fahrzeug zurücklegt. In dieser kurzen Zeit kann viel passieren, ein schwerer Unfall kann verursacht und Menschenleben gefährdet werden, wie der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) warnt. Er hat deshalb eigens die Kampagne „Vorsicht Sekundenschlaf!“ ins Leben gerufen, um darauf aufmerksam zu machen, wie gefährlich es sein kann, wenn der Fahrer langsam müde wird.

Ein großes Problem dabei ist demnach, dass viele Autofahrer, aber auch deren Beifahrer, das Risiko des Sekundenschlafs schlicht unterschätzen. Laut einer Befragung von 1.000 Pkw-Fahrern ist jeder Vierte schon mindestens einmal am Steuer eingedöst. Aber 45 Prozent der Befragten glauben, Beeinträchtigungen infolge Müdigkeit durch ihre Fahrerfahrung ausgleichen zu können. 43 Prozent der Autofahrer sind zudem davon überzeugt, den Zeitpunkt des Einschlafens sicher vorhersehen zu können. Und 17 Prozent der Befragten geben an, trotz Müdigkeit weiterzufahren.

Auch viele Mitfahrende im Auto sind sich offenbar der Gefahr nicht bewusst, die von einem müden Fahrer ausgehen kann, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab. Danach nimmt gerade einmal die Hälfte der Begleitpersonen Müdigkeit beim Fahrenden wirklich ernst. So erkundigen sich denn auch nur 56 Prozent der befragten Begleitpersonen laut dieser Untersuchung nach einer Pause und lediglich 54 Prozent bieten einen Fahrerwechsel an. 39 Prozent der Befragten sprechen den Fahrer demnach auf Müdigkeit an, wenn sie merken, dass seine Konzentration nachlässt, er zu gähnen beginnt oder sich die Augen reibt. Wie 24 Prozent der Befragten zu Protokoll gaben, versuchen sie, die Person am Steuer mit einem Gespräch von ihrer Müdigkeit abzulenken. Dies kann gefährlich werden, warnt der DVR. Denn das Einzige, was gegen akute Müdigkeit hinter dem Steuer hilft, ist demnach eine Pause – am besten alle zwei Stunden. Diese Fahrtunterbrechung sollte zur Regeneration mit einem Kurzschlaf von 10 bis 20 Minuten und/oder Bewegung an der frischen Luft genutzt werden. Überdies bietet sich die Pause für einen Fahrerwechsel an. Beifahrer sollten im Zweifel auf einen Fahrerwechsel oder eine Pause bestehen, rät der Verband.

Untrügliche Anzeichen dafür, wie nötig eine Pause ist, sind nach Auskunft von Experten häufiges Gähnen, brennende Augen, dichtes Auffahren und Tunnelblick. Spätestens wenn sich diese Symptome akuter Müdigkeit beim Fahrer einstellen, ist es Zeit für eine Unterbrechung der Fahrt. Damit gestehe man keine Schwäche ein, betonen die Fachleute. Sie raten darüber hinaus, Müdigkeit vorzubeugen: Etwa indem man nicht schon übermüdet losfährt, sondern sich ausgeruht ans Steuer setzt. Außerdem sollten die Routen zeitlich nicht zu knapp kalkuliert und dabei regelmäßige Pausen eingeplant werden. Damit schützt man sich am besten vor der Gefahr, hinter dem Steuer vom Sekundenschlaf überrascht zu werden.

 

Quelle: Goslar Institut www.goslar-institut.de

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