Härtere Strafen sollen Autoraser abschrecken

24. Oktober 2018

Die Dummen sterben nicht aus. Diese Volksweisheit scheint auch für die Teilnehmer an illegalen Autorennen zuzutreffen. Denn deren Zahl wächst nach Angaben der Polizei. Da bei solchen illegalen Autorennen auch – und leider viel zu oft – Unbeteiligte zu Schaden, wenn nicht gar ums Leben kommen, hat der Gesetzgeber inzwischen reagiert und die entsprechenden Vorschriften erheblich verschärft: Was bislang eine Ordnungswidrigkeit war, ist seit Ende vergangenen Jahres eine Straftat. Und auch die Strafen sind härter geworden.

Konkret wurde dazu in Paragraf 315d des Strafgesetzbuches ein neuer Tatbestand eingeführt, der die entsprechende Vorschrift in der Straßenverkehrsordnung ersetzt. Danach wird, wer im Straßenverkehr ein nicht genehmigtes Kraftfahrzeugrennen veranstaltet oder als Kraftfahrzeugführer an einem nicht genehmigten Kraftfahrzeugrennen teilnimmt, mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder mit einer Geldstrafe belegt. Werden dabei andere Menschen oder Gegenstände von bedeutendem Wert gefährdet, droht bei Fahrlässigkeit eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe. Handelt der Angeklagte vorsätzlich, steht ihm eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder wiederum eine Geldstrafe ins Haus. Und kommen bei einem illegalen Autorennen Menschen zu Tode oder werden schwer verletzt, kann die Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahre dauern. Außerdem können die Fahrzeuge der beteiligten Raser eingezogen werden.

Der Gesetzgeber will aber auch gegen Raser vorgehen, die nicht mit anderen Autofahrern ein illegales Rennen austragen, sondern allein „gegen die Uhr“ antreten. Deshalb ist ebenfalls die Regelung neu, dass wer „mit nicht angepasster Geschwindigkeit grob verkehrswidrig und rücksichtslos fährt, um eine möglichst hohe Geschwindigkeit zu erreichen“, auch mit einer Geldbuße oder bis zu zwei Jahren Haft bestraft werden kann. Damit sollen auch diejenigen Fälle erfasst werden, in denen nur ein einziges Fahrzeug „objektiv und subjektiv ein Kraftfahrzeugrennen nachstellt“, wie es in der Begründung des Gesetzentwurfs heißt. Und darüber hinaus ist nun auch bereits der Versuch, ein illegales Rennen durchzuführen, strafbar, selbst wenn dieses dann nicht stattfindet. So soll verhindert werden, dass Organisatoren straflos davonkommen, wenn die Polizei von ihrem Vorhaben erfährt und es vereitelt.

Abgesehen von den härteren Strafen für Raser bzw. Teilnehmer und Veranstalter von illegalen Autorennen sowie über die katastrophalen Folgen hinaus, die sie mit ihrer Raserei bei völlig unbeteiligten Menschen anrichten können, scheinen die Möchtegern-PS-Helden auch komplett auszublenden, wenn sie „auf Speed sind“, dass sie für die von ihnen gegebenenfalls verursachten Schäden auch finanziell geradestehen müssen. Zwar leistet die Kfz-Haftpflicht bei grob fahrlässig verursachten Unfällen zunächst ganz normal. Doch anschließend kann sie (und wird sie meist auch) den Versicherungsnehmer wegen seines illegalen Verhaltens in Regress nehmen. Eine Kaskoversicherung kommt bei grober Fahrlässigkeit schon mal gar nicht auf. Als grob fahrlässiges Verhalten gilt, wenn die im Straßenverkehr geforderte Sorgfalt in hohem Maße außer Acht gelassen wird und jemand besonders auffällig gegen die Straßenverkehrsregeln verstößt. Und das ist bei Rasern bzw. illegalen Autorennfahrern eindeutig der Fall.

Diese müssen sich zudem auf zivilrechtliche Forderungen wie Schadensersatz und Schmerzensgeld einstellen. Bei Personenschäden droht über die Begleichung der Heilkosten hinaus die Zahlung einer lebenslangen Geldrente, wenn das Unfallopfer dauerhaft beeinträchtigt wurde. Und in der Regel haben die Teilnehmer an illegalen Autorennen ebenfalls für den ihnen dabei selbst entstandenen Schaden aufzukommen.

Während die Politik nun hofft, mit den härteren Strafen eine abschreckendere Wirkung auf die Teilnehmer illegaler Autorennen erzielen zu können, ist der Leiter der Unfallforschung der Versicherer, Siegfried Brockmann, in der Beziehung skeptischer. Er hält grundsätzlich zusätzliche Kontrollen für wirkungsvoller, um die Disziplin im Straßenverkehr zu verbessern, als höhere Bußgelder und Strafen. Denn die meisten Kraftfahrer würden eine einfache Rechnung anstellen, argumentiert Brockmann: Sie setzen die bekannte Bußgeldhöhe in Relation zu der Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden. Aus dem Grund seien ebenfalls gravierende, aber nur schwer und personalaufwendig zu kontrollierende Delikte, wie etwa das Schreiben einer Textnachricht während der Fahrt oder das Unterlassen des Schulterblicks beim Abbiegen, sehr häufig, stellt Brockmann fest. Um allgemein mehr für die Verkehrssicherheit zu tun, hält es der Experte für sinnvoller, die Verkehrspolizei aufzustocken, um mehr Kontrollen durchführen zu können.

 

Quelle: Goslar Institut www.goslar-institut.de

Links:

News

13.11.2019 KFZ Versicherer erwartet "wechselhafter" November

Alle Jahre wieder – kommt nicht nur im Dezember das Christkind, sondern zum Ende November auch der Stichtag, bis zu dem ein Wechsel der...

06.11.2019 Dooring: Die alltägliche Gefahr für Radfahrer

Die meisten Radfahrer kennen diese Situation: Autofahrer öffnen gedankenlos eine Tür ihres Fahrzeugs, ohne sich vorher zu vergewissern,...

30.10.2019 Trotz Zurückhaltung bei Kunden: Die Mobilitätswende kommt

Der Begriff Mobilitätswende ist derzeit in vieler Munde. Sie soll Mobilität mit weniger Verkehr ebenso ermöglichen wie eine Mobilität,...

23.10.2019 Studie: Autonome Fahrdienste steigern Verkehrsaufkommen um bis zu 40%

Autonome Fahrzeuge scheinen derzeit ihren Nimbus als Problemlöser für die Mobilität von morgen einzubüßen. Zumindest kommt jetzt eine...

09.10.2019 Aral-Studie "Trends beim Autokauf 2019" zeigt veränderte Käuferinteressen

Jeder dritte Bundesbürger will sich in den kommenden eineinhalb Jahren ein neues Auto zulegen. Dabei ist die Bedeutung von neu...

02.10.2019 Studie: Carsharing bringt nachhaltigen Verkehr nicht voran

Carsharing, also die gemeinschaftliche Nutzung eines Autos durch mehrere Personen, bringt nicht die Vorteile, die sich seine Befürworter...

25.09.2019 Bundesdatenschutzbeauftragter Kelber: Grundrechte auch in digitaler Welt durchsetzen

Bremst Datenschutz Fortschritt in den Bereichen der Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz? Haben Deutschland und Europa zwar im...

18.09.2019 Big Data kann Mobilität sicherer, schneller und sogar ökologischer machen

Die Chancen von Big Data in einer digital vernetzten Gesellschaft sind derzeit Thema vielfältiger öffentlicher Diskussionen. Über die...

11.09.2019 Big Data im Versicherungswesen machen Medizin humaner und präziser

Big Data in der Medizin ist im Moment noch Bürgerschreck, muss aber unbedingt als Hoffnungsträger verstanden werden. Denn...

04.09.2019 Gut versichert Radfahren

Fahrradfahren ist angesagt – sei es aus Umweltschutzmotiven, aus gesundheitlichen Gründen oder weil es einfach nur Spaß macht. Das...

Seiten

Cura Kontakt

Wir freuen uns über Ihre Fragen und Anregungen

Jetzt Kontakt aufnehmen

Haben Sie Fragen, Probleme, Anregungen oder Wünsche? Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns eine E-Mail.
 

Fritz-Vomfelde-Straße 14
40547 Düsseldorf
+49 (211) 9086-0