Musik am Steuer: Geliebt, aber nicht ungefährlich!

28. November 2018

Beeinflusst Musik im Auto den Fahrer bzw. seinen Fahrstil? Sie entspannt, hebt die Stimmung und hält im Zweifel sogar wach, plädieren die einen dafür. Andere wiederum, und so auch viele Experten, warnen davor, dass durch die Musikberieselung die Fahrsicherheit beeinträchtigt werden könne.

Führt der Weg also wirklich in die Hölle, wenn aus den Autolautsprechern „Highway to hell“ dröhnt oder so fette Techno-Beats aus den Subwoofern hämmern, dass daran die Umgebung noch weiträumig teilhaben kann? Zumindest geht der Gesetzgeber davon aus, dass zu lautes Musikhören im Auto die Verkehrssicherheit beeinträchtigt. Deshalb kann dies von der Polizei mit einem Bußgeld von 10 Euro geahndet werden. Wird aufgrund zu hoher Phonzahlen im Auto ein Einsatzfahrzeug von Polizei, Feuerwehr etc. nicht wahrgenommen, erhöht sich die Strafe auf 20 Euro. Und wer nachweislich wegen zu heftiger Musikbeschallung einen Unfall verursacht, der kann mit einer deutlich saftigeren Geldstrafe rechnen oder bei Personenschäden sogar mit einer Gefängnisstrafe. Dem Musikgenuss im Auto sind also vom Gesetz her gewisse Grenzen gesetzt.

Nahezu unbegrenzt ist dagegen die Vorliebe zahlreicher Autofahrer für Musik unterwegs. Viele geben für eine hochwertige Musikanlage in ihrem Fahrzeug sogar richtig viel Geld aus. Kein Wunder, wird doch im Auto statistisch gesehen öfter Musik gelauscht als daheim. So gaben in einer Untersuchung der International Federation of the Phonographic Industry (IFPI), dem Dachverband des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI), 66 Prozent der Befragten an, am häufigsten im Auto Musik zu hören. Deutschland soll hier mit 77 Prozent deutlich über dem globalen Mittel liegen, nach Südafrika mit 80 Prozent und vor den USA mit 75 Prozent.

Da liegt es nahe, dass sich Musikwissenschaftler, aber auch Verkehrssicherheitsexperten mit der Frage beschäftigen, ob und wie sich Musik auf das Fahrverhalten von Autofahrern auswirkt. Nach den Ergebnissen entsprechender Studien kann die Lieblingsmucke im Auto zum Stressabbau bei der Person am Steuer beitragen, sie kann Aggression abbauen helfen und schlechte Laune vertreiben. Andererseits warnen die Fachleute aber ebenfalls davor, dass Musik im Auto den Fahrer vom Verkehrsgeschehen ablenken und seine Konzentration darauf beeinträchtigen kann. Auf diese Weise wird ein Autofahrer dann schnell zu einer Gefahr für sich und andere Verkehrsteilnehmer.

Welchen Einfluss haben nun die unterschiedlichen Musikrichtungen auf den persönlichen Fahrstil? Nach einer Untersuchung von Medizinern der Johannes Gutenberg-Universität Mainz soll ruhige Musik das Fahrvermögen in Stresssituationen nicht herabsetzen. Bei diesbezüglichen Tests am Fahrsimulator mit Entspannungsmusik waren demnach keine Unterschiede in Bezug auf Reaktionsgeschwindigkeit und Herzfrequenz festzustellen zwischen den Probanden, die dabei mit Musik beschallt wurden und jenen ohne. Dagegen soll Hardrock die mentale Belastung erhöhen. Zum besseren Verständnis: Der Straßenverkehr mit seinen komplexen Situationen versetzt Autofahrer nach Einschätzung der Experten ohnehin in einen „mittleren Erregungszustand“. Da können „fetzige“ Rhythmen zu laut gehört dann leicht zu viel werden und die Leistungsfähigkeit am Steuer vermindern.

Allerdings halten es die Forscher auch für gefährlich, wenn der Autofahrer Musik lauscht, die ihn emotional zu stark beschäftigt. Denn auch das lenkt demnach zu sehr von dem ab, worauf sich die Person am Steuer eigentlich konzentrieren sollte: das Verkehrsgeschehen. Unterm Strich haben die Experten jedoch nicht grundsätzlich Einwände gegen Musik im Auto, insbesondere dann, wenn sie etwa bei nächtlichen Alleinfahrten die Monotonie des Fahrens mindert. Allerdings darf der Musikgenuss die Aufmerksamkeit des Fahrers nicht zu sehr beanspruchen und seine Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen.

 

Quelle: Goslar Institut www.goslar-institut.de

Links:

News

13.11.2019 KFZ Versicherer erwartet "wechselhafter" November

Alle Jahre wieder – kommt nicht nur im Dezember das Christkind, sondern zum Ende November auch der Stichtag, bis zu dem ein Wechsel der...

06.11.2019 Dooring: Die alltägliche Gefahr für Radfahrer

Die meisten Radfahrer kennen diese Situation: Autofahrer öffnen gedankenlos eine Tür ihres Fahrzeugs, ohne sich vorher zu vergewissern,...

30.10.2019 Trotz Zurückhaltung bei Kunden: Die Mobilitätswende kommt

Der Begriff Mobilitätswende ist derzeit in vieler Munde. Sie soll Mobilität mit weniger Verkehr ebenso ermöglichen wie eine Mobilität,...

23.10.2019 Studie: Autonome Fahrdienste steigern Verkehrsaufkommen um bis zu 40%

Autonome Fahrzeuge scheinen derzeit ihren Nimbus als Problemlöser für die Mobilität von morgen einzubüßen. Zumindest kommt jetzt eine...

09.10.2019 Aral-Studie "Trends beim Autokauf 2019" zeigt veränderte Käuferinteressen

Jeder dritte Bundesbürger will sich in den kommenden eineinhalb Jahren ein neues Auto zulegen. Dabei ist die Bedeutung von neu...

02.10.2019 Studie: Carsharing bringt nachhaltigen Verkehr nicht voran

Carsharing, also die gemeinschaftliche Nutzung eines Autos durch mehrere Personen, bringt nicht die Vorteile, die sich seine Befürworter...

25.09.2019 Bundesdatenschutzbeauftragter Kelber: Grundrechte auch in digitaler Welt durchsetzen

Bremst Datenschutz Fortschritt in den Bereichen der Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz? Haben Deutschland und Europa zwar im...

18.09.2019 Big Data kann Mobilität sicherer, schneller und sogar ökologischer machen

Die Chancen von Big Data in einer digital vernetzten Gesellschaft sind derzeit Thema vielfältiger öffentlicher Diskussionen. Über die...

11.09.2019 Big Data im Versicherungswesen machen Medizin humaner und präziser

Big Data in der Medizin ist im Moment noch Bürgerschreck, muss aber unbedingt als Hoffnungsträger verstanden werden. Denn...

04.09.2019 Gut versichert Radfahren

Fahrradfahren ist angesagt – sei es aus Umweltschutzmotiven, aus gesundheitlichen Gründen oder weil es einfach nur Spaß macht. Das...

Seiten

Cura Kontakt

Wir freuen uns über Ihre Fragen und Anregungen

Jetzt Kontakt aufnehmen

Haben Sie Fragen, Probleme, Anregungen oder Wünsche? Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns eine E-Mail.
 

Fritz-Vomfelde-Straße 14
40547 Düsseldorf
+49 (211) 9086-0