Hier geächtet, dort geschätzt - In Osteuropa boomen ältere Diesel aus dem Westen

6. März 2019

Kaum gestohlen, schon in Polen, lästerten früher böse Zungen über die Praktiken von Autodieben. Heute verbringen viele Dieselfahrzeuge aus Deutschland ihre „alten Tage“ in Osteuropa, ganz offiziell, ganz legal und sehr zum Ärger dortiger Umweltschützer. Denn ältere Dieselautos, die wegen drohender Fahrverbote hierzulande nicht mehr gefragt sind, erfreuen sich in vielen östlichen Nachbarländern großer Beliebtheit. Das hat zur Folge, dass Umweltverbände vor Ort inzwischen kritisieren, Osteuropa werde zur „Müllhalde“ des Westens.

Es ist noch gar nicht so lange her, da waren die Autofahrer in Deutschland, aber auch in anderen EU-Ländern, Dieselfahrzeugen sehr zugetan. Insbesondere Vielfahrer griffen aufgrund zum Teil deutlich geringerer Spritkosten zum Selbstzünder. Deutschland galt lange Zeit als das „Diesel-Land“ in Europa. Immerhin gaben 2015 hierzulande noch rund 48 Prozent der Neuwagenkäufer einem Diesel den Vorzug vor einem Benziner.

Doch dann kam der sogenannte Diesel-Skandal: Im Rahmen von „Dieselgate“ wurde bekannt, dass verschiedene Autohersteller die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte für Autoabgase mittels illegaler Manipulationen der Motorsteuerung umgangen hatten. Dabei ging es besonders um den Betrug bei den Stickoxidemissionen: Stickoxide werden speziell für das Entstehen von Atemwegs- sowie Herz-Kreislauferkrankungen verantwortlich gemacht. Gerade ältere Dieselfahrzeuge kamen in dieser Hinsicht als „Dreckschleudern“ an den Pranger.

Seit nun in Deutschland auch Fahrverbote für Dieselautos drohen und die Autofahrer verunsichern, büßten diese Fahrzeuge sehr an Beliebtheit ein. Anders in Osteuropa. Dort ist das Geschäft mit alten Dieseln aus dem Westen inzwischen regelrecht aufgeblüht, wie Brancheninsider berichten. Man könne geradezu von einer „Invasion“ sprechen, heißt es etwa beim Verband tschechischer Gebrauchtwagenhändler. Medien zitieren zudem eine Marktuntersuchung des Gebrauchtwagenhändlers AAA Auto, einem Branchenschwergewicht in Mittelosteuropa, der zufolge 63 Prozent der in Tschechien angebotenen Importgebrauchtwagen aus Deutschland stammen sollen – 60 Prozent davon mit einem Dieselmotor. Für die Slowakei wird dieser Anteil sogar mit 78 Prozent beziffert.

Ein wesentlicher Grund für die Beliebtheit älterer Dieselfahrzeuge aus dem Westen in Osteuropa ist nach Auskunft von Branchenkennern der Vorteil der Selbstzünder beim Verbrauch im Vergleich mit Benzinern. Das sei für die Kunden dort von größerem Interesse als die Emissionen ihres Autos, berichten Händler in jenen Ländern. Zudem müssen sich die Autofahrer dort keine Gedanken um Umweltzonen oder Fahrverbote in Innenstädten machen. Denn dies ist in den Staaten im Osten Europas (noch?) kein Thema. Somit spricht dort nichts gegen Diesel fahren.

Das sehen Umweltschützer vor Ort allerdings etwas anders. Ihnen sind sie alten „Stinker aus dem Westen“ zunehmend ein Dorn im Auge. Osteuropa dürfe nicht zu einer Müllhalde für alte, luftverschmutzende Produkte aus den westlichen EU-Staaten werden, warnen sie. Doch diese Kritiker des Booms älterer westlicher Dieselfahrzeuge im Osten Europas sehen sich derzeit noch mit einem Bewusstsein konfrontiert, das vor nicht allzu langer Zeit im Westen ebenfalls weit verbreitet war – und nach Ansicht einiger Umweltorganisationen bis heute ist: Prestigedenken vor Umweltbewusstsein. Und solange sich daran nichts ändert, dürfte vielen älteren Dieselfahrzeugen aus dem Westen in Osteuropa ein längerer Lebensabend beschieden sein als in ihren Herkunftsländern.

 

Quelle: Goslar Institut www.goslar-institut.de

Links:

News

27.06.2018 Rauchen am Steuer - Nicht nur riskant für die Gesundheit

Wie riskant Rauchen für die Gesundheit ist, darauf machen schon seit Jahren entsprechende Warnhinweise auf den Verpackungen von...

21.06.2018 Sommer-Risiko Flip-Flops & Co.

Sommer, die Sonne scheint, es ist warm. Da bevorzugen die meisten Menschen möglichst leichte, luftige Bekleidung. Für viele gehört dazu...

13.06.2018 BGH: Ein Ehepartner darf für den anderen im Alleingang Versicherung kündigen

Laut einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) darf ein Ehepartner eine Vollkaskoversicherung für ein Familienauto auch dann...

06.06.2018 Sicher mit dem Wohnwagen auf reisen

„Home, sweet home“ denken sich jedes Jahr wieder viele Bundesbürger und begeben sich mit ihrem Wohnwagen in Urlaub. Mehr als 600.000...

30.05.2018 Erste Tests von automatisiertem Fahren unter realen Bedingungen

Die Zukunft kommt einen weiteren Schritt näher: In diesem Jahr nehmen in mehreren Bundesländern neue Teststrecken für das automatisierte...

23.05.2018 Der Weg muss nicht das Ziel sein - Motorrad sicher zum Urlaubsort transportieren

Mit dem Nahen der Sommerferienzeit stellt sich für etliche Biker die Frage, ob sie die Anfahrt zum Urlaubsziel bereits auf dem Motorrad...

16.05.2018 Ungeschützte Teilnahme am Verkehr in geliehenem Auto?

„Kann ich mal kurz Deinen Wagen benutzen?“ Die Frage von einem Freund, Bekannten, Verwandten oder Mitglied der eigenen Familie kennen...

09.05.2018 Parkplatznot an Autobahnen provoziert Unfälle und Ärger

Nicht nur auf den deutschen Autobahnen wird es immer voller. Auch an den Fernstraßen herrscht erhebliche Platznot, genauer gesagt...

18.04.2018 Pedelecs: Geschwind und gefährlich

Fahrräder mit Elektromotor erfreuen sich in Deutschland wachsender Beliebtheit. Immer mehr Deutsche entdecken die Freude am Radeln mit...

04.04.2018 Je automatisierter desto skeptischer - Studie offenbart Ängste von Autofahrern vor autonomen Fahrzeugen

Die Automatisierung des Fahrens wird insgesamt zur Verbesserung der Verkehrssicherheit beitragen. Davon gehen die meisten Autofahrer aus...

Seiten

Cura Kontakt

Wir freuen uns über Ihre Fragen und Anregungen

Jetzt Kontakt aufnehmen

Haben Sie Fragen, Probleme, Anregungen oder Wünsche? Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns eine E-Mail.
 

Fritz-Vomfelde-Straße 14
40547 Düsseldorf
+49 (211) 9086-0