Staus werden von Autofahrern oft selbst verursacht

20. März 2019

Der Stau gehört für Deutschlands Autofahrer heutzutage schon fast zu einer gewohnten Verkehrssituation. Spätestens im täglichen Berufsverkehr morgens und abends kommt die Autokarawane regelmäßig zum Stillstand. Inzwischen haben Wissenschaftler eindeutig nachgewiesen, dass Staus nicht nur Stress und Aggressionen erzeugen bzw. steigern, weil sich die Autofahrer in ihrem Vorwärtsdrang ausgebremst fühlen. Dadurch wirken sich Staus auch gesundheitlich nachteilig aus. Nicht umsonst soll Untersuchungen zufolge etwa das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, im Stau dreimal höher sein als im fließenden Verkehr. Dabei vergessen viele Autofahrer jedoch – oder wissen es einfach nicht – dass sie mit ihrem Fahrverhalten vielfach nicht die Stau-Opfer, sondern Stau-Verursacher sind.

So stellt etwa der Stauforscher Michael Schreckenberg, Professor für Physik von Transport und Verkehr an der Universität Duisburg-Essen, fest, dass viele Staus dem Faktor Mensch geschuldet sind. Er entwickelte gemeinsam mit dem Physiker Kai Nagel das nach den beiden Wissenschaftlern benannte Nagel-Schreckenberg-Modell, nach dem Staus durch ein hohes Verkehrsaufkommen sowie falsches bzw. egoistisches Verhalten plus Kettenreaktionen entstehen. Den berüchtigten „Stau ohne Grund“ gibt es demnach eigentlich nicht. Stattdessen sind es nach der Erfahrung der Experten nur allzu häufig einzelne Autofahrer, die einen Stau verursachen.

Die Statistiker registrierten im vergangenen Jahr im Mittel mehr als 2.000 Staus pro Tag. Und dafür soll vielfach das Fehlverhalten Einzelner ursächlich sein? Ja, sagen die Wissenschaftler. Sie räumen zwar ein, dass sich Staus nicht grundsätzlich vermeiden lassen, wie auch eine aktuelle Studie von Schreckenberg verdeutlicht. Denn immerhin werden mehr als zwei Drittel der Staus in Deutschland auf eine Überlastung der Verkehrswege zurückgeführt: wenn einfach zu viele Fahrzeuge zur selben Zeit in dieselbe Richtung unterwegs sind. Aber das Stauaufkommen ließe sich vermindern, meinen Schreckenberg und Nagel, wenn die Autofahrer bestimmte Fehler vermeiden würden.

Sieben Hauptsünden haben die Forscher zusammengestellt, die Kraftfahrzeuglenker tunlichst nicht begehen sollten, um Stillstand auf der Straße zu vermeiden. Die Aufzählung der stauverursachenden schlechten Angewohnheiten beginnt mit zu dichtem Auffahren. Denn dieses hat nur zu oft abrupte Bremsmanöver zur Folge, wenn das vorausfahrende Fahrzeug langsamer wird. Daraus resultiert vielfach eine Kettenreaktion, weil die nachfolgenden Autofahrer ebenfalls „in die Eisen steigen“ müssen. Dafür haben die Stauforscher den Begriff „Schmetterlingseffekt“ geprägt. Das erste Bremsmanöver setzt sich dabei als Kettenreaktion nach hinten immer fort, bis irgendwann ein erstes Fahrzeug zum Stillstand kommt. Und so entsteht „aus dem Nichts“ ein Stau. Wobei „aus dem Nichts“ eben nicht wirklich zutrifft, weil die Stauursache ja eigentlich in dem zu dichten Auffahren eines Autofahrers zu suchen ist.

Als weitere wichtige Auslöser von Staus sehen die Wissenschaftler Kolonnenspringen und plötzliche Überholvorgänge an. Denn sie zwingen ebenfalls häufig zu heftigem Bremsen – und schon droht wieder eine Kettenreaktion nach hinten. Ähnlich verhält es sich bei Fehlern beim Reißverschlussverfahren, wenn Autofahrer sich nicht geschmeidig genug der Geschwindigkeit auf der Nebenspur anpassen, sprich zu spät oder gar nicht beschleunigen. Das unterbricht dann gleichfalls den Verkehrsfluss, ebenso wie zu frühzeitiges Einfädeln in den Verkehr auf der Nebenfahrbahn. Dadurch bleibt die eigentlich beabsichtigte Wirkung des Reißverschlussprinzips nur allzu oft auf der Strecke und stattdessen kommt der fließende Verkehr zum Erliegen.

Maßgeblich zum Entstehen von Staus tragen auch diejenigen Autofahrer bei, die sich auf den Weg machen, wenn alle unterwegs sind. Stattdessen sollte man sich – im ureigensten Interesse – bemühen, die Hauptverkehrszeiten zu umgehen, raten die Stauforscher. Denn eines ist klar: Die Kapazitäten der Verkehrswege sind begrenzt. So findet auf einer bestimmten Strecke nun einmal nur eine begrenzte Anzahl von Fahrzeugen Platz. Die Sättigungsgrenze einer Straße soll demnach in der Regel bei 1.500 bis 2.500 Fahrzeugen pro Stunde und Spur liegen, wenn sich die Fahrzeuge mit einer Geschwindigkeit von 80-100 km/h fortbewegen. Schnelleres und langsameres Fahren verringere jeweils die Kapazität von Verkehrswegen, stellen die Experten fest.

Um nicht selbst zum Überschreiten der Kapazitäten von Straßen beizutragen, empfehlen sie Autofahrern, sich über Verkehrsstoßzeiten zu informieren und diese wenn möglich zu meiden. Das gilt demnach nicht nur für die alltäglichen Strecken, bei denen es meist Ausweichmöglichkeiten gibt, sondern auch für die Fahrten in den Urlaub. Bei Letzteren bietet sich die Nutzung von Stauwarnmeldungen in den Medien an.

 

Quelle: Goslar Institut www.goslar-institut.de

Links:

News

22.05.2019 Neuwagen verbrauchen noch immer deutlich mehr als von den Herstellern angegeben

Es wird schon so lange über die Abweichungen der Herstellerangaben zum Spritverbrauch eines Autos von der Realität diskutiert, dass man...

08.05.2019 Autofahrer haben trotz Stau-Stress Spaß am Steuer

Weltweit fühlen sich viele Autofahrer gestresst durch verstopfte Straßen und Staus. Dennoch hat eine deutliche Mehrheit von ihnen nach...

24.04.2019 Mobilitätsprobleme auf dem Land: Ohne Auto geht wenig

Landbewohner sind mit ihrer Mobilität weitgehend zufrieden. Aber nur, wenn ihnen ein Auto zur Verfügung steht. Denn damit kommen sie...

17.04.2019 PKW-Bestand in Europa wird immer älter

Auf Deutschlands Straßen sind immer mehr Autos unterwegs. Nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) waren in der Bundesrepublik am 1...

10.04.2019 Kosten für Autoreparaturen bundeweit sehr unterschiedlich

Sag mir, wo Du wohnst, und ich sage Dir, wie teuer Deine Autoreparatur im Vergleich wird. Auf diese Formel ließen sich die Ergebnisse...

03.04.2019 Sind risikoaffine Autofahrer auch höher versichert?

Autofahrer, die eher risikofreudig chauffieren, sind in der Regel nicht entsprechend höher versichert. Das hat jetzt eine aktuelle...

27.03.2019 Fahrschüler schaffen immer häufiger Prüfung nicht

Immer mehr Fahrschüler rasseln durch die Führerscheinprüfung. Nach aktuellen Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) erwies sich 2017...

20.03.2019 Staus werden von Autofahrern oft selbst verursacht

Der Stau gehört für Deutschlands Autofahrer heutzutage schon fast zu einer gewohnten Verkehrssituation. Spätestens im täglichen...

14.03.2019 Maschine und Moral: Wie sollen sich Robotorautos bei Unfällen verhalten?

Aus der Science Fiction-Literatur und entsprechenden Filmen kennt man das oberste Robotergesetz, wie es der Genre-Schriftsteller Isaac...

06.03.2019 Hier geächtet, dort geschätzt - In Osteuropa boomen ältere Diesel aus dem Westen

Kaum gestohlen, schon in Polen, lästerten früher böse Zungen über die Praktiken von Autodieben. Heute verbringen viele Dieselfahrzeuge...

Seiten

Cura Kontakt

Wir freuen uns über Ihre Fragen und Anregungen

Jetzt Kontakt aufnehmen

Haben Sie Fragen, Probleme, Anregungen oder Wünsche? Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns eine E-Mail.
 

Fritz-Vomfelde-Straße 14
40547 Düsseldorf
+49 (211) 9086-0