Mobilitätsprobleme auf dem Land: Ohne Auto geht wenig

24. April 2019

Landbewohner sind mit ihrer Mobilität weitgehend zufrieden. Aber nur, wenn ihnen ein Auto zur Verfügung steht. Denn damit kommen sie meist problemlos, wohin sie wollen. Sind die Menschen auf dem Land hingegen auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, nimmt die Zufriedenheit mit ihrer Mobilität deutlich ab. Denn häufig mangelt es an Bus- und Bahnverbindungen oder deren Fahrpläne sind alles andere als komfortabel. Dann geht ohne Auto nicht viel. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Untersuchung des ADAC zur Mobilität in ländlichen Regionen.

Rund 16 Millionen Bundesbürger leben „auf dem Land“. Das bedeutet: in einer Region mit weniger als 150 Einwohnern pro Quadratkilometer. Zum Vergleich: München ist mit rund 4.690 Einwohnern je Quadratkilometer die am dichtesten besiedelte Stadt Deutschlands vor Berlin mit rund 4.050 Einwohnern pro km². Wie unterscheidet sich nun die Lebensqualität der Menschen in der Stadt von jenen auf dem Land im Hinblick auf ihre Mobilität? Haben die Städter hier Vorteile gegenüber den Landbewohnern? Oder umgekehrt? Um dies herauszufinden, befragte der ADAC in einer Studie rund 3.400 Bewohner ländlicher Gemeinden in zwölf großen Bundesländern zur Zufriedenheit mit ihrer persönlichen Mobilität. Die repräsentativ ausgewählten Interviewpartner aller Altersstufen ab 15 Jahren sollten Auskunft darüber geben, wie gut sie ihre Ziele mit Auto, Bus und Bahn, Fahrrad oder zu Fuß erreichen.

Dabei habe sich überraschend ergeben, dass die Befragten in den ländlichen Regionen mit ihrer Mobilität insgesamt erheblich zufriedener sind als gedacht, berichtet der Automobilclub. Die hohe Zufriedenheit hängt demnach jedoch ganz wesentlich damit zusammen, dass auf dem Land nahezu jeder ein Auto besitzt. Ohne eigenen Pkw ist das Fortkommen dort hingegen erheblich eingeschränkt.

Insgesamt übertraf jedoch die Zahl zufriedener Bürger in allen befragten Regionen jene der unzufriedenen im Bundesschnitt um 43 Prozent. Dabei ergaben sich auch keine großen Unterschiede zwischen den Bundesländern: An der Spitze der Zufriedenheitsskala rangiert Mecklenburg-Vorpommern mit einem Indexwert von 47, während Rheinland-Pfalz am Ende des Rankings auf 39 kommt. Damit sei der „Zufriedenheitsindex“ bundesweit relativ homogen, kommentierte das Meinungsforschungsinstitut Komma, das die Untersuchung für den ADAC durchführte.

Also alles paletti mit der Mobilität auf dem Land? Hier vorschnell „Ja“ zu sagen, wäre falsch, betont der ADAC. Denn die Befragung mache auch deutlich, dass es benachteiligte Gruppen im ländlichen Raum gibt, erläutert der Vizepräsident für Verkehr des Automobilclubs, Ulrich Klaus Becker. So verteilen in der Regel Autobesitzer gute Noten für die persönliche Mobilität. Sie können auf dem Land mangels Staus ihre Fahrzeiten meist ziemlich präzise berechnen und haben seltener Parkplatzprobleme als die Menschen in den überfüllten Städten.

Letzteren stehen allerdings in den meisten Fällen bessere Transportmöglichkeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Verfügung. Daran hapert es nämlich vielfach in den ländlichen Regionen und diesen Zustand bemängeln die Menschen dort dementsprechend: So fallen die Zufriedenheitswerte mit der eigenen Mobilität bei den Nutzern des öffentlichen Personenverkehrs auf dem Land deutlich niedriger aus als bei den Autofahrern. Auffällig ist dabei ebenfalls, dass der öffentliche Nahverkehr in den ostdeutschen Bundesländern nahezu durchgängig besser bewertet wird als in den westlichen. Hier liegen Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen in der Gunst der Landbewohner weit vorn, während Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein das Schluss-Trio dieses Rankings bilden. Größte Kritikpunkte am öffentlichen Nahverkehr in ländlichen Regionen sind fehlende Direktverbindungen, große Lücken im Fahrplan und zu lange Reisedauer.

Vor dem Hintergrund der Ergebnisse der Befragung hält der ADAC es für ratsam, die begrenzten Mittel für die Mobilität auf dem Land effektiver zu verwenden, etwa indem man Mobilitätsoptionen stärker und sinnvoller miteinander verknüpft. Dazu sollten unter anderem auch ehrenamtliche und privatwirtschaftliche Pkw-Mitnahmeverkehre wie etwa Bürgerbusse, die heute schon in einigen Regionen ein wichtiger Bestandteil der Mobilität im ländlichen Raum sind, besser gefördert, weiterentwickelt sowie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vernetzt werden, fordert der ADAC. Darüber hinaus plädiert der Automobilclub dafür, sogenannte flexible Bedienformen wie Anruf-Sammeltaxis oder Rufbusse zu stärken sowie die Finanzierung öffentlicher Verkehrsmittel zielgerichtet weiterzuentwickeln.

 

Quelle: Goslar Institut www.goslar-institut.de

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