Sind risikoaffine Autofahrer auch höher versichert?

3. April 2019

Autofahrer, die eher risikofreudig chauffieren, sind in der Regel nicht entsprechend höher versichert. Das hat jetzt eine aktuelle Studie der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien ergeben. Danach verfügen Kraftfahrer, die tendenziell Geschwindigkeitsvorgaben in den Wind schlagen, bei „Dunkelgelb“ noch über eine Ampel huschen oder auch innerstädtisch „sportlich“ unterwegs sind, nicht über einen höheren Versicherungsschutz als defensive Fahrzeuglenker. Denn Autofahrer wählen ihre Versicherungspolice nicht je nach persönlichem Fahrstil und individueller Risikobereitschaft aus, wie die Forscher herausfanden. Das erklärt Alexander Mürmann, Professor für Risk Management and Insurance an der WU, damit, dass „wir uns hinsichtlich nicht-finanzieller und finanzieller Risiken sehr unterschiedlich verhalten“. Demnach versichert sich ein vorsichtiger Fahrer, der mit seiner Fahrweise bemüht ist, Unfälle möglichst zu vermeiden, nicht automatisch hoch, um das Risiko finanzieller Verluste ebenfalls zu vermindern – und umgekehrt. Mürmann und sein Team waren in ihrer Untersuchung der Frage nachgegangen, wie sich individuelles Fahrverhalten auf das Unfallrisiko und auf den Abschluss einer Versicherung auswirken.

Dabei kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass das Unfallrisiko nicht nur von der Länge der jeweiligen Fahrtstrecke, sondern ebenso von der Anzahl der Fahrten bestimmt wird. Demnach nimmt die Gefahr eines Unfalls zu, wenn jemand eine bestimmte Strecke nicht an einem Stück, sondern in mehreren Fahrten zurücklegt. Denn jede einzelne Fahrt habe einen Anfang und ein Ende, erläutern die Studienautoren. Und in diesen beiden Phasen einer Fahrt sinkt die Konzentration der Person am Steuer, weil sie dann auch noch mit anderen Dingen beschäftigt ist: bei Fahrtbeginn etwa mit dem Bedienen des Navigationsgeräts, dem Suchen eines Radiosenders mit Verkehrsfunk oder schlicht dem Einstellen einer angenehmen Sitzposition. Und am Ende einer Fahrt kreisen die Gedanken vielfach schon um Dinge, die anschließend anstehen.

Für ihr Forschungsvorhaben untersuchten die Wissenschaftler um Prof. Mürmann detaillierte GPS-Daten von versicherten Autos und die zugehörigen Versicherungsdaten über Tarifierungsmerkmale und Schadensfälle. Mithilfe der GPS-Daten konnten die Forscher dann Fahrprofile basierend auf Geschwindigkeitsüberschreitungen, gefahrener Distanz und Anzahl der Autofahrten erstellen. Um herauszufinden, ob riskanteres Fahren ein höheres Unfallrisiko und eine höhere Wahl in der Versicherungsdeckung impliziert, berücksichtigten die Studienautoren außerdem, dass Ursache und Wirkung auch gegenläufig sein können – will sagen, dass höher versicherte Personen möglicherweise riskanter fahren, eben weil sie so gut versichert sind. Hierfür nutzten die Wissenschaftler Daten über lokale Wetterbedingungen und bezogen in ihre Analyse mit ein, wie die Fahrzeuglenker auf unterschiedliche Wetterbedingungen in ihrem Fahrverhalten reagierten, nachdem sie ihren Versicherungsvertrag gewählt hatten. Am Ende kamen die Verfasser der Studie zu dem Resultat, dass – entgegen ihrer Vermutung – Menschen mit unterschiedlichen Fahrerprofilen keine unterschiedlichen Versicherungsverträge kaufen.

Darüber hinaus machte die Untersuchung noch einen weiteren interessanten Aspekt deutlich, wie Studienleiter Mürmann betont. Aus seiner Sicht zeigt die Studie nämlich auch das Potenzial zunehmender Datengewinnung durch Digitalisierung zum Vorteil aller Beteiligten auf. Dieses Potenzial sollten Versicherungen nutzen, um Autofahrerinnen und Autofahrer bei ihren Abschlüssen besser beraten und individualisierter tarifieren zu können, meint der Professor – sowie um dabei Anreize zu geben, das persönliche Unfallrisiko zu reduzieren.

 

Quelle: Goslar Institut www.goslar-institut.de

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