Killer Smartphone - Tippen am Steuer

26. Juni 2019

„Tipp tipp tot“ – mit dieser drastischen Zusammenfassung versucht das Bundesverkehrsministerium (BMVI) seit vergangenem Jahr an Autobahnen vor den Folgen der Handynutzung am Steuer zu warnen. Doch jüngste Erhebungen zeigen, dass immer noch zu viele Autofahrer auch unterwegs nicht die Finger von ihrem Smartphone lassen können. Das hat zur Folge, dass laut Studien inzwischen jeder dritte Verkehrsunfall darauf zurückzuführen ist, dass die Fahrerin oder der Fahrer abgelenkt waren – insbesondere durch Handys.

Dabei warnen Experten seit Jahren vor dem gefährlichen Blindflug im Auto, wenn die Person am Steuer sich mehr mit dem Smartphone beschäftigt, anstatt auf das Verkehrsgeschehen zu achten. Tatsache ist nämlich, dass jeder, der bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h nur eine Sekunde lang unaufmerksam ist, in dieser Zeit rund 27 Meter „blind“ zurücklegt, also ohne mitzubekommen, was im Verkehr um sie oder ihn herum geschieht. Ist die Aufmerksamkeit dann wieder da, ist es oft schon zu spät.

Da bislang nur sehr wenige verlässliche Daten und wissenschaftliche Untersuchungen zur Handynutzung am Steuer vorliegen, hat sich der Automobilclub Mobil in Deutschland daran gemacht, selbst valide Zahlen zu erheben. Der Verein beobachtete im Rahmen einer mehrwöchigen Verkehrszählung wie viele Autofahrer sich am Steuer mit ihrem Smartphone beschäftigen. Ergebnis: Jeder 16. Autofahrer bediente am Steuer zugleich sein Handy – um einen Termin zu checken, eine Nachricht abzusetzen oder nur schnell einen „unaufschiebbaren“ Anruf zu tätigen.

Umgerechnet entspricht die Zahl dieser „Handysünder“ 6,32 Prozent. Das erscheine zunächst einmal als nicht besonders viel, räumt der Präsident des Automobilclubs, Michael Haberland, ein. Doch man müsse sich vor Augen führen, fährt er fort, dass dieser Prozentsatz allein für den Mittleren Ring in München, den täglich rund 160.000 Autos passieren, rund 10.000 durch das Smartphone abgelenkte Autofahrer pro Tag bedeute. Das seien 10.000 Gefahrenquellen pro Tag, betont Haberland, die einen Unfall verursachen, im schlimmsten Fall sogar ein Menschenleben kosten können. Dabei sind Auffahrunfälle noch als die harmloseste Variante anzusehen. Zusammenstöße mit Radfahrern oder Fußgängern hingegen enden vielfach nicht nur mit einem Blechschaden.

Und das alles wegen eines Augenblicks der Unachtsamkeit, weil man „nur mal ganz kurz“ auf das Handy schauen musste. Bei manchen Zeitgenossen sei bereits eine regelrechte Sucht nach dem Smartphone festzustellen, sagen Experten. Demnach bereitet solchen Menschen das Gefühl, eine Zeit lang nicht erreichbar zu sein, erhebliche Probleme. Für die ständige Präsenz etwa in den Social Media nehmen diese Handy-Junkies auch in Kauf, möglicherweise einen Mitmenschen zu gefährden. Gern wird dieses Risiko einfach verdrängt.

Nach Angaben des BMVI soll sogar rund die Hälfte aller Autofahrer ihr Smartphone auch am Steuer nutzen. Um der damit verbundenen Gefährdung entgegenzuwirken und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, versucht das Bundesverkehrsministerium gemeinsam mit dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) die Autofahrer unter anderem mit der drastischen Anzeigenkampagne „tipp tipp tot“ für dieses Thema zu sensibilisieren. Denn allein mit Bußgeldern sei dieses Problem nicht in den Griff zu bekommen, ist sich Minister Scheuer sicher. Und es müsse etwas getan werden gegen die Handy-Unsitte, betonen die Verkehrssicherheitsexperten: weil sich das Smartphone inzwischen zu einem regelrechten „Killer im Verkehr“ entwickelt habe.

 

Quelle: Goslar Institut www.goslar-institut.de

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