Technikskepsis der Deutschen bremst Fortschritt in der Mobilität durch KI

19. Juni 2019

Im Ausland gibt es den Begriff „German Angst“. Darunter wird – vorsichtig formuliert – eine Zögerlichkeit bei neuen Entwicklungen verstanden, seien sie nun politischer oder gesellschaftlicher Art. Auch eine gewisse Technikfeindlichkeit – oder besser Technikängstlichkeit? – wird Deutschen immer wieder unterstellt. Behindert diese grundsätzlich Skepsis oder Besorgnis nun auch den technischen Fortschritt in der Mobilität? Umfragen zufolge sehen mehr Bundesbürger die Risiken als den Nutzen, den etwa Künstliche Intelligenz (KI) im Zusammenspiel mit autonomem Fahren bringen kann.

Dieser „Befürchtungskultur“ widmete sich daher auch die Diskussionsveranstaltung des Goslars Instituts für verbrauchergerechtes Versichern mit dem Titel „Big Data: Bürgerschreck oder Hoffnungsträger?“ vom Januar dieses Jahres. Dieser Goslar Diskurs drehte sich speziell um eine von dem Institut in Auftrag gegebene Studie, die ein sogenanntes Nutzer-Paradoxon beschreibt: „Der Nutzer als Bürger ist skeptisch, schutzbedürftig und kulturpessimistisch, als Verbraucher ist er sorglos, bequem und pragmatisch“, heißt es darin. Sprich: Die Deutschen sorgen sich beim Thema Datensicherheit sehr davor, zum „gläsernen Menschen“ zu werden, gehen aber gleichzeitig im Alltag unverständlich sorglos mit ihren persönlichen Daten um. Zwischen „Horrorvisionen“ und „Hoffnungseuphorie“ bleiben dabei die Chancen, die ein vernünftiger Umgang mit Big Data bedeuten kann, nur allzu oft auf der Strecke.

Auch beim Thema KI im Auto dominiert laut einer Studie des Markt- und Meinungsforschungsinstituts YouGov bei vielen Bundesbürgern Skepsis. Danach nimmt nur knapp jeder Zweite (45 Prozent) ein ausgeglichenes Nutzen-Risiko-Verhältnis wahr. Ein Viertel der Befragten (26 Prozent) bewertet das Risiko dagegen als größer, nur 15 Prozent schätzen den Nutzen höher ein. Mit dem Alter steige der Anteil der Skeptiker an, berichten die Meinungsforscher: Während bei den 18-36 Jährigen eher eine ausgeglichene Wahrnehmung von Nutzen (18 Prozent) und Risiko (22 Prozent) vorherrscht, äußern sich die sogenannten Baby Boomer, also Menschen über 54 Jahre, deutlich ängstlicher. Von ihnen sehen nur 13 Prozent den Nutzen von KI, für 29 Prozent hingegen stehen Risiken im Vordergrund.

Bei der Steuerung eines Autos im Straßenverkehr lehnten in der YouGov-Befragung 52 Prozent der Teilnehmer KI ab, nur 37 Prozent sprachen sich dafür aus. Damit gehört dieser Bereich allerdings zu dem Segment jener Aufgaben, bei denen die Bundesbürger die geringsten Bedenken gegen den Einsatz von künstlicher Intelligenz haben. Einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom zufolge sollen inzwischen sogar 62 Prozent der Bundesbürger KI eher als Chance begreifen. Darin sieht der Verband einen großen Fortschritt, weil dieser Wert im Jahr zuvor noch bei 48 Prozent lag. Offenbar verlören die Bundesbürger langsam ihre Scheu vor dieser Technologie, folgert Bitkom.

Dies wäre aus Sicht vieler Experten erfreulich, weil sie darauf verweisen, welche großen Vorteile KI – im Zusammenspiel mit Big Data – für die Mobilität bringen kann. Demnach macht Künstliche Intelligenz Autofahren nicht nur komfortabler, sondern auch sicherer. KI kann zudem das Autonome Fahren wesentlich voranbringen, diese Vision schneller Realität werden lassen, betonen Fachleute. Dabei hat diese Technologie einen wesentlichen Trumpf vorzuweisen: Sie ist lernfähig.

KI im Auto ermöglicht damit nicht allein, dass der Fahrer künftig per Spracherkennung mit seinem Fahrzeug kommunizieren kann. Der Technologie ist es zum Beispiel ebenfalls möglich, auf der Basis erlernter Daten Verkehrssituationen zu analysieren, das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer zu prognostizieren und darauf entsprechend zu reagieren. So lässt sich möglichen Komplikationen vorgreifen und die Verkehrssicherheit insgesamt erhöhen. Solche Funktionen zum Erkennen und Bewerten von Umfeldfaktoren können beim Autonomen Fahren eine wichtige Rolle spielen.

Eine große Sorge vieler Bürger im Zusammenhang mit KI bemühen sich die Experten unisono zu entkräften: dass die Maschine ein eigenes Bewusstsein entwickelt und letztlich die Oberhand gewinnt. Da KI ein lernendes System sei, könne es nur so gut werden wie ihr Programmierer bzw. derjenige, der es anlernt, betonen die Fachleute. Mit Blick auf das Verhalten mancher Menschen im heutigen Straßenverkehr nehmen sie Vielen damit allerdings wieder ein Stück Hoffnung auf die Verwirklichung der Utopie von stressfreier Mobilität durch KI.

 

Quelle: Goslar Institut www.goslar-institut.de

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